Kleine Menschen ganz groß

Kleinwüchsige Menschen hatten im Alten Ägypten einen hohen Status und waren gut in das gesellschaftliche Leben integriert. Vom Aufseher über Tänzer bis zu Juwelieren führten sie eine Vielzahl von Berufen aus. Selbst mehrere ägyptische Gottheiten hatten Zwergengestalt, berichtet die Medizinerin Chahira Kozma von der Georgetown Universitätsklinik in Washington. Für eine Stigmatisierung der Kleinwüchsigen als Außenseiter fand sich keine Spur, schreibt Kozma.
Die Forscherin durchforstete in ihrer Arbeit die reichhaltigen Dokumente der ägyptischen Hochkultur nach Darstellungen und Beschreibungen von kleinwüchsigen Menschen. Die erste Beschreibung eines kleinwüchsigen Menschen ist auf das Jahr 4500 vor Christus datiert. Grabfunde reichen bis 2700 vor Christus zurück.

Während heute der Kleinwuchs häufig als Erkrankung gebrandmarkt ist und als bedauernswert gesehen wird, konnte die Medizinerin Kozma für das Alte Ägypten ein ganz anderes Bild zeichnen. Ohne soziale Benachteiligung lebten die Kleinwüchsigen ein ganz normales Leben ? als Diener, Handwerker oder auch hoch angesehenes Mitglied der Gesellschaft. Letzteres wird beispielsweise deutlich durch die große Nähe ihrer Grabstätten zu den Pyramiden. "Das Image der Zwergwüchsigen im Alten Ägypten war durchweg positiv", schreibt Kozma.

Eine der häufigsten Ursachen für Kleinwuchs ist die genetisch bedingte Stoffwechselstörung Achondroplasie, bei der sich der Körperrumpf und der Kopf normal entwickeln, die Gliedmaßen aber zu kurz sind. Heutzutage weist eines von rund 40.000 Kindern diese Störung auf.
Chahira Kozma (Georgetown University Hospital, Washington): Amercian Journal of Medical Genetics, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1002/ajmg.a.31068

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


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