Als sich die Stammbäume von Schimpansen und Menschen teilten

Mensch und Schimpanse gehen seit etwa fünf bis sieben Millionen Jahren getrennte Wege: Zu jener Zeit lebten ihre letzten gemeinsamen Vorfahren, berichtet ein amerikanisches Forscherteam um Sudhir Kumar. Früheren Studien zufolge fand diese Aufspaltung in zwei Spezies irgendwann vor 3 bis 13 Millionen Jahren statt. Nachdem die Forscher so viele Gene wie noch nie zuvor analysiert hatten, konnten sie nun diesen Zeitpunkt näher eingrenzen. Dank einer verbesserten Computerauswertung der Daten vermieden sie zudem einige potenzielle statistische Fehler.
In ihrer Studie verglichen Kumar und seine Kollegen 167 Gensequenzen von Menschen, Schimpansen, Makaken und Mäusen miteinander. Bei solchen Untersuchungen gilt: Je mehr Unterschiede ein bestimmter DNA-Abschnitt bei verwandten Arten aufweist, desto mehr Zeit ist seit ihren gemeinsamen Vorfahren vergangen. Diese relative Zeitabschätzung muss dann anhand bereits bekannter Daten in der Evolution kalibriert werden.

Die Forscher verwendeten dafür den Zeitpunkt, an dem sich die Affen der Alten Welt wie Paviane und Makaken vom jenem Stammbaum abgespalten hatten, der letztendlich auch zu Schimpansen und Menschen führte. Nach Untersuchungen an Fossilien hatte diese Abspaltung vor 27 bis 35 Millionen Jahren stattgefunden. Demnach ergab die Kalibrierung, dass die Aufspaltung in Mensch und Schimpanse vor fünf bis sieben Millionen Jahren erfolgt sein muss.

Genanalysen sind bei der Bestimmung des Zeitpunktes, an dem sich die menschliche Spezies von ihrem nächsten Verwandten abgespalten hat, unbedingt notwendig: Einerseits, weil die Interpretation der ältesten menschlichen Fossilien aus diesem Zeitraum umstritten ist und andererseits, weil bislang kaum fossile Überreste von Schimpansen gefunden wurden. Um den Zeitpunkt der Aufsplittung noch genauer einzugrenzen, gibt es mehrere Möglichkeiten, sagen die Forscher. Durch die Analyse von noch mehr Genen und Arten lasse sich wahrscheinlich ein genauerer Zeitrahmen festlegen. Am meisten dabei helfen könnten aber die Entdeckung neuer Fossilien und die Verbesserung der geologischen Datierung bereits vorhandener Überreste, schreiben die Wissenschaftler.
Sudhir Kumar ( Staatsuniversität von Arizona, Tempe) et al.: PNAS (Online-Vorabveröffentlichung; doi: 10.1073/pnas.0509585102)

ddp/wissenschaft.de ? Martina Feichter


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