Neandertalern auf den Zahn gefühlt

Die Zähne von Neandertalern bildeten sich im Lauf der Kindheit nicht schneller heran als die des modernen Menschen. Das hat ein britisch-amerikanisches Forscherteam beim Vergleich von Zähnen des Neandertalers mit denen von drei modernen Menschengruppen herausgefunden. Da das Zahnwachstum mit der Entwicklung des Gehirns und dem Körperwachstum zusammenhängt, könnte dieses Ergebnis darauf hindeuten, dass die Kindheit und Jugend des Neandertalers ebenso lang dauerte wie die des modernen Menschen.
Wissenschaftler von der Staatsuniversität Ohio in Columbus untersuchten in einer Studie die Zähne von Neandertalern, die vor 150.000 bis 40.000 Jahren gestorben waren, und von drei Gruppen heutiger Menschen: Inuit, Briten und Südafrikanern. Bei jeder Probe untersuchten die Forscher Backenzähne und Schneidezähne. Da der Zahnschmelz von der Spitze des Zahns zur Wurzel anwächst, konnten sie die einzelnen Wachstumsschichten als dunkle Linien im Mikroskop identifizieren. Durch das Zählen der Schichten konnten sie berechnen, wie viele Tage die Bildung des Zahnschmelzes gedauert hatte.

Frühere Studien hatten ergeben, dass die Frontzähne von Neandertalern schneller wuchsen als die heutiger Menschen. Dieses Ergebnis konnte nicht bestätigt werden: Die Neandertalerzähne wuchsen zwar schneller als die der Inuit, aber nicht schneller als die von Menschen aus Newcastle. Im Vergleich zum Zahnwachstum der Südafrikaner wuchsen die Zähne des Neandertalers sogar langsamer heran. Da die Dauer des Zahnwachstums individuell schwankt, liegt das Wachstum der untersuchten Neandertalerzähne auch für heutige Maßstäbe im normalen Bereich.

Ob die Kindheit der Neandertaler nun genauso lang dauerte wie die des modernen Menschen, können die Forscher nicht klar beantworten. Denn es ist noch nicht gesichert, dass die Zahnschmelzbildung der Frontzähne direkt mit der Länge der Wachstumsperioden in der Kindheit zusammenhängt. Frühere Studien haben aber gezeigt, dass die Dauer der Schwangerschaft, das Alter bei der Entwöhnung, das Alter der weiblichen sexuellen Reife und die Lebenszeit mit dem Wachstum der Backenzähne zusammenhängen.
Debbie Guatelli-Steinberg et al. ( Staatsuniversität von Ohio, Columbus): PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0503108102

ddp/wissenschaft.de ? Eva Maria Marquart


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