Futterneid zwischen Neandertalern und Hyänen

Die Neandertaler waren wohl mobiler als bislang angenommen. Das zeigt die Form eines 41.000 Jahre alten Oberschenkelknochens, den ein internationales Forscherteam in Frankreich entdeckt hat. Weitere Funde von Tierknochen lassen zudem vermuten, dass die Neandertaler mit Hyänen um Nahrung konkurrieren mussten: Die Knochen tragen sowohl Schnittspuren menschlicher Werkzeuge als auch Zahnabdrücke von Hyänen.
Experten waren lange der Meinung, dass erst der moderne Mensch, der heutige Homo sapiens, sein Verhalten immer wieder grundlegend änderte und sich damit seiner Umgebung besser anpasste. Dazu gehörte auch eine steigende Mobilität, erklärt Erik Trinkaus, Koautor der Studie: Die Menschen waren weniger lokal gebunden und dehnten ihre Lebensräume immer weiter aus.

Der Fund des Schenkelknochens an der französischen Ausgrabungsstelle "Rochers-de-Villeneuve" widerspricht jedoch dieser Auffassung. DNA-Analysen zufolge stammt der Knochen aus dem letzten Abschnitt des Mittelpaläolithikums, das in die Zeit zwischen 130.000 und 30.000 Jahre vor Christus fällt. Die Form des Knochens zeigt, dass der Neandertaler seine Beine bereits stärker belastet hat als frühere Vertreter dieser Menschenart. Dies ist ein deutlicher Hinweis auf eine erhöhte Mobilität, lange bevor der erste moderne Mensch in Erscheinung trat, erklären die Forscher.

Außerdem diente die Höhle, in der der Knochen entdeckt wurde, wohl nicht nur Neandertalern, sondern auch Hyänen als Unterschlupf. Das beweisen Pferde- und Bisonknochen mit Spuren von menschlichen Werkzeugen und von Hyänenzähnen. Unterstützt wird diese Annahme zudem durch einen Hyänenknochen, der sich in der gleichen Ablagerungsschicht wie der Neandertaler-Knochen befand und damit ähnlich alt ist. Die Neandertaler konkurrierten also offenbar mit anderen Fleischfressern, in diesem Fall Hyänen, um Nahrung und auch Wohnraum, erklären die Wissenschaftler. Auch der gefundene Oberschenkelknochen war sichtbar angenagt ? wahrscheinlich ebenfalls von Hyänen.

Cédric Beauval ( Universität von Bordeaux, Talence) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0502656102
ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Offermann


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