Neue Theorie: Handel brachte den Neandertalern das Aus

Der moderne Mensch konnte den Neandertaler erfolgreich verdrängen, weil er über ausgefeilte Handelsstrukturen verfügte. Dadurch war er in der Lage, Aufgaben unter Einzelnen aufzuteilen und so seine Fähigkeiten optimal einzusetzen. So lautet die Hypothese eines niederländisch-amerikanischen Forscherteams, berichtet der Online-Dienst des britischen Wissenschaftsmagazins New Scientist.
Anthropologen rätseln seit langem über die Gründe für das Aussterben des Neandertalers. Eine Vielzahl von Ursachen kommt infrage ? so zum Beispiel kulturelle oder biologische Überlegenheit des Homo sapiens oder Veränderungen der Umwelt. Der Wirtschaftswissenschaftler Jason Shogren von der Universität von Wyoming in Laramie und seine Kollegen bringen nun einen völlig neuen Ansatz in die Diskussion: Ihrer Ansicht nach könnte es eine entscheidende Rolle gespielt haben, dass der moderne Mensch überlegene Handelsgewohnheiten besaß. Durch diese Spezialisierung konnte jedes Individuum einer Gesellschaft der Aufgabe nachgehen, die es am besten beherrschte. So standen etwa weit mehr Ressourcen zur Verfügung.

Zur Stützung ihrer Hypothese führen die Forscher unter anderem archäologische Funde auf. Diese legen nahe, dass der moderne Mensch bereits spezialisiert war und sowohl innerhalb kleinerer Regionen als auch über weitere Bereiche Handel betrieb, als er vor rund 40.000 Jahren in Europa auf den Neandertaler stieß. Dagegen besaßen die Neandertaler anscheinend weit weniger gut organisierte Strukturen, so die Wirtschaftswissenschaftler.

In drei Simulationen testeten die Forscher ihr hypothetisches Szenario. In zwei dieser Berechnungen sprachen sie Homo sapiens die Fähigkeit zum freien Handel zu. In diesen Simulationen hatte der moderne Mensch den Neandertaler innerhalb von 7.000 Jahren verdrängt ? und das obwohl die Neandertaler nach den Vorgaben der Wissenschaftler die besseren Jäger waren. In der dritten Simulation endeten beide Gesellschaften in einer gemeinsamen Existenz.

Ihre Untersuchungen schildern Shogren und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Journal of Economic Behavior & Organization (Online-Vorabveröffentlichung, DOI:10.1016/j.jebo.2004.03.009).
ddp/wissenschaft.de ? Cornelia Dick-Pfaff


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