Wahre Größe im Mittelalter

Im frühen Mittelalter sind die Menschen erstaunlich groß geworden. Mit einer Durchschnittsgröße von mehr als 1,73 Metern waren sie um einige Zentimeter größer als ihre Nachfahren im 17. Jahrhundert, hat der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Richard Steckel herausgefunden. Gründe für die frühe Größe waren eine gute Ernährungslage und der geringe Kontakt zwischen vereinzelten Siedlungen und Dörfern, vermutet der Wissenschaftler von der Staatsuniversität Ohio in Columbus.
Steckel analysierte die Körpergröße von Menschen aus dem 9. bis zum 19. Jahrhundert anhand der Daten mehrerer Tausend Skelettfunde aus Nordeuropa, berichtet die Staatsuniversität Ohio in Columbus. Aus der Länge des Oberschenkelknochens schloss der Forscher auf die gesamte Körperlänge. Die durchschnittliche Größe nahm seit dem 12. Jahrhundert stetig ab und erreichte im 17. und 18. Jahrhundert mit 167 Zentimetern einen absoluten Tiefpunkt. Bis zum 17. Jahrhundert hatten die Menschen durchschnittlich gut sechs Zentimeter an Größe verloren. Dieser Verlust wurde bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht aufgeholt.

Die Körpergröße der Bevölkerung ist ein Maß für die allgemeine Gesundheit und Versorgungslage. Eine Ursache für die recht großen Menschen im 9. bis 11. Jahrhundert könnte das zu dieser Zeit recht milde Klima gewesen sein. Durch die hohen Temperaturen verlängerte sich die Wachstumszeit für Getreide und andere Kulturpflanzen um drei bis vier Wochen. Zudem hatten die Menschen im recht dünn besiedelten Land viel Platz für Anbau und Viehzucht, wodurch mehr Nahrung zur Verfügung stand. Die spärliche Besiedlung hatte noch den weiteren Vorteil, dass sich eventuelle Krankheiten nicht so massiv ausbreiten konnten.

Ab dem 13. Jahrhundert kam es dann zu einer kleinen Eiszeit, was die Erträge deutlich minderte und die Versorgungslage verschlechterte. Zudem wuchsen die Orte zu Städten, die Infrastrukturen verbesserten sich und der Handel wuchs. So konnten Krankheiten weit mehr Menschen erreichen. Warum die Menschen dann im 18. und 19. Jahrhundert wieder an Größe zulegten, ist Steckel noch nicht ganz klar. Wieder könnten Klimaveränderungen im Spiel gewesen sein, vermutet der Forscher. Aber auch verbesserte Landwirtschaft und Produktivität zieht er als Gründe in Betracht.
ddp/bdw ? Cornelia Dick-Pfaff


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Ein philosophisch anmutender Roman, in dessen Mittelpunkt die Suche nach einer plötzlich verschwundenen jungen Wissenschaftlerin steht. Die Exaktheit der Wissenschaft steht der Unschärfe der Wirklichkeit gegenüber.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe