Warum es ? biologisch betrachtet ? Großmütter gibt

Großmütter sind auch evolutionär betrachtet ein Gewinn für die Gesellschaft: Obwohl sie sich nicht mehr selbst fortpflanzen konnten, sicherten sie während der vergangenen Jahrhunderte das Überleben der Familie, indem sie sich um die Enkel kümmerten. So gaben sie ihren erwachsenen Kindern die Möglichkeit, mehr Kinder zu bekommen und durchzubringen. Das wies ein britisch-finnisches Forscherteam bei der Auswertung historischer Aufzeichnungen nach. Die Wissenschaftler beschreiben ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature (Bd. 428, S. 178).
Für Evolutionsbiologen waren Großmütter bislang etwas, was es eigentlich gar nicht geben dürfte: Individuen nämlich, die weiterleben, obwohl sie sich nicht mehr fortpflanzen können und die somit ? zumindest auf den ersten Blick ? nichts zum Überleben der Art beitragen. Das lange Leben der Frauen muss daher einen anderen Vorteil für die Gesellschaft gebracht haben, vermuteten Evolutionsbiologen. Sonst hätte sich die Langlebigkeit im Lauf der Evolution gar nicht durchsetzen können.

Auf der Suche nach der evolutionären Daseinsberechtigung für Großmütter werteten Virpi Lummaa und ihre Kollegen von den Universitäten in Turku und Sheffield finnische und kanadische Geburts-, Heirats- und Sterberegister aus dem 18. und 19. Jahrhundert aus ? und wurden fündig: Je älter in den vorindustriellen Gesellschaften die Großmütter wurden, desto mehr Enkelkinder gab es in den Familien. War die Großmutter da, begannen erwachsene Kinder früher damit, selber Familien zu gründen, bekamen ihre Kinder schneller hintereinander und schlossen ihre Familienphase später ab. Außerdem überlebten in Familien mit Großmüttern mehr Enkelkinder.

Wahrscheinlich habe die Großmutter ihren erwachsenen Kindern einerseits durch ihre Erfahrungen helfen können, während sie ihnen andererseits Arbeit bei der Versorgung der Enkelkinder abnahm. Dadurch konnten sich die Eltern mehr Nachwuchs leisten als ohne die Hilfe der Großmutter, schreiben Lummaa und Kollegen. So habe die Großmutter sehr effektiv für die Weitergabe der eigenen Gene gesorgt. Interessanterweise endete die Lebenserwartung der Großmütter im Schnitt dann, wenn die eigenen Kinder die Wechseljahre und damit das Ende ihrer fruchtbaren Jahre erreichten. Dies sei ein weiteres Indiz dafür, dass die Versorgung der Enkelkinder tatsächlich der Faktor war, der das lange Leben der Großmütter begünstigt habe.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel


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