Fehlendes Eiweiß versetzt Gehirn in Panik

Menschen mit Panik-Attacken fehlen wichtige Schlüsselmoleküle im Gehirn: Bei ihnen ist die Menge eines Eiweißstoffs, der an der Verarbeitung des Glückshormons Serotonin beteiligt ist, um bis zu einem Drittel reduziert. Das entdeckten amerikanische Forscher mit einer neuartigen Methode, bei der sie solche Proteinmoleküle direkt im Gehirn von Patienten sichtbar machen können. Die Wissenschaftler beschreiben ihre Studie in der Fachzeitschrift Journal of Neuroscience (Bd. 24, S. 589).
Panik-Attacken kommen oft wie aus heiterem Himmel und lassen die Betroffenen völlig hilflos und mit zum Teil schweren körperlichen Symptomen zurück. Unbehandelt können die Anfälle bei den Patienten zu schweren Phobien führen und ein normales Leben unmöglich machen. Da Panikstörungen häufig "in der Familie liegen", vermuten Wissenschaftler schon länger, dass auch vererbte Faktoren dabei eine Rolle spielen. Einige ältere Studien hatten bereits Hinweise auf einen der möglichen Übeltäter geliefert: ein so genannter Serotonin-Rezeptor, der an der Verarbeitung von Emotionen beteiligt ist.

Alexander Neumeister und seine Kollegen vom nationalen Institut für geistige Gesundheit in Bethesda konnten mit ihrer neuen Methode diese Vermutung nun bestätigen: Sechzehn Patienten mit Panikstörungen und fünfzehn gesunden Probanden wurde ein neu entwickelter, leicht radioaktiver Stoff verabreicht, der die verdächtigen Rezeptoren im Gehirn aufspürt und ganz speziell daran andockt. Mithilfe der so genannten Positronen-Emission-Tomographie (PET) machten die Wissenschaftler anschließend den radioaktiven Marker im Gehirn der Testteilnehmer sichtbar und erhielten so Informationen über die Verteilung der Serotoninrezeptormoleküle.

Im Gegensatz zu den gesunden Probanden fanden die Forscher in drei wichtigen Gehirnarealen der Panikpatienten deutlich reduzierte Mengen des radioaktiven Stoffs und damit auch des Rezeptors. Dies sei das erste Mal, dass die Beteiligung eines solchen Schlüsselmoleküls an einer psychischen Störung so eindeutig nachgewiesen werden konnte, schreiben die Wissenschaftler. Durch diese Entdeckung ergeben sich auch neue, vielversprechende Ansätze für die Entwicklung einer medikamentösen Therapie gegen die bislang nur schwer behandelbaren psychischen Störungen.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel


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