Forscher: Menschliche Gene verraten Anpassung an Kannibalismus

Auf dem Speiseplan unserer Vorfahren stand regelmäßig Menschenfleisch, behauptet ein internationales Forscherteam. Ein Beweis dafür sei die weite Verbreitung eines Gens, dass vor der typischen mit Kannibalismus zusammenhängenden Krankheit Creutzfeld-Jacob schützt, schreiben sie in der Fachzeitschrift "Science" (10. April, Art. 27).
Die schützende Wirkung des Gens mit der Bezeichnung M129V haben unter anderem Untersuchungen in Papua Neuguinea ergeben, schreibt John Collinge vom University-College in London zusammen mit Kollegen. Der Stamm der Fore hat dort in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts regelmäßig die Gehirne ihrer Toten rituell verspeist. Unter den Stammesmitgliedern verbreitete sich rasch eine Krankheit, die die Fore "Kuru" nannten: Sie wird wie Creutzfeld-Jakob durch ein infektiöses Protein des Gehirns verursacht, das offenbar leicht durch den Darm ins Blut seines neuen Wirts gelangt.

Unter den Mitgliedern, die den Ritus nicht mit einer tödlichen Erkrankung bezahlen mussten, ist das Gen besonders oft zu finden, schreiben die Forscher. Auch das weltweite Vorkommen des Gens sei mit dem Kannibalismus unserer Vorfahren zu erklären, schreibt das Forscherteam: Wer das schützende Gen M129V besaß, hatte einen Überlebensvorteil.

Dies deckt sich nach Darstellung der Wissenschaftler mit archäologischen Funden. So habe man etwa Schnittspuren an Neandertaler-Knochen gefunden und Reste menschlicher Exkremente, deren chemische Zusammensetzung ebenfalls auf den Verzehr von Menschen hindeute.
ddp/bdw ? Andreas Wawrzinek


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