Studie: Viele Neunzigjährige sind geistig fit

Ältere Menschen in den Neunzigern können häufig ein ganz normales selbständiges Leben führen. Die Ängste Angehöriger, dass ihre Verwandten in diesem Alter geistig verfallen und schließlich in einem Heim landen, sind oft unbegründet. Das legen Untersuchungen amerikanischer Neurologen nahe. Über ihre Ergebnisse berichten Bradley Boeve und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Neurology (Bd. 60, S. 477).
Bei Besuchen zu Hause hatten die Forscher bei mehr als hundert 90 bis 99 Jahre alten Einwohnern von Rochester unter anderem neuropsychologische Tests und umfassende neurologische Einschätzungen durchgeführt. Auch wenn ein mäßiger Rückgang der geistigen Fähigkeiten im hohen Alter normal ist, müssen Neunzigjährige nicht zwangsläufig auch Demenz oder Alzheimer entwickeln, sagen die Forscher. "Mindestens die Hälfte der Untersuchten war völlig normal", erklärt Boeve. Einige der Probanden hätten in Wahrnehmungstests selbst im Vergleich mit viel Jüngeren herausragende Ergebnisse gehabt.

Oft würden Neunzigjährige schlicht aufgrund ihres hohen Alters für beeinträchtigt gehalten, vermuten die Neurologen. Doch bei vielen Menschen in diesem Alter sei das Gedächtnis noch äußerst scharf. Ein erheblicher Anteil der Untersuchten zeigte weder Anzeichen von Alzheimer noch von einer anderen Form der Demenz. Andere litten zwar unter Gedächtnisstörungen, jedoch ohne stark beeinträchtigt zu sein, so dass sie noch unabhängig leben konnten.

Allerdings können auch Neunzigjährige noch unter einer so genannten leichten kognitiven Beeinträchtigung (mild cognitive impairment, kurz MCI) leiden, stellten die Forscher außerdem fest. Die Symptome von MCI glichen dabei denen Jüngerer. Patienten mit MCI schneiden lediglich bei Gedächtnistests schlecht ab, während sie bei Hirntests insgesamt gute Ergebnisse erzielen. Oft schreitet dieser Zustand zu Alzheimer fort. In weiteren Untersuchungen wollen die Neurologen herausfinden, ob dies auch bei den Neunzigjährigen geschieht.

Neunzigjährige sind bislang nicht so ausführlich untersucht wie andere Altersgruppen. Die mit dem Alter im normalen Rahmen nachlassenden geistigen Leistungen sind daher bei Neunzig- bis Hundertjährigen kaum definiert. "Trotzdem konnten wir Unterschiede zwischen geistig normalen, leicht beeinträchtigten und dementen Versuchsteilnehmern erkennen", sagt Boeve.
ddp/bdw - Cornelia Pfaff


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