Sexuell missbrauchte Männer werden selten selbst zu Tätern

Die meisten Männer, die als Kind missbraucht wurden, vergehen sich als Erwachsene nicht selbst an Kindern. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie, die im Fachmagazin The Lancet erscheint (Bd. 361, S. 471). Weitere Faktoren wie zum Beispiel mangelnde Beaufsichtigung in der Kindheit müssten hinzukommen, damit Missbrauchsopfer als Erwachsene zu Kinderschändern werden, sagen die Forscher.
Die Wissenschaftler um David Skuse vom Institut für Kindergesundheit in London fanden bei der Durchsicht von Krankenberichten 224 Männer, die als Kind Opfer sexuellen Mißbrauchs waren. Zwölf Prozent dieser Männer hatten später selbst sexuelle Vergehen begangen, wobei in den meisten Fällen Kinder die Opfer waren.

Mehrere Faktoren erhöhten jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass missbrauchte Jungen später selbst zu Tätern wurden, fanden die Forscher. Jungen, die schlecht beaufsichtigt, materiell vernachlässigt oder von einer Frau missbraucht worden waren, wurden je dreimal häufiger auffällig. Hatten sie in der Familie Gewalt erlebt, zeigten sie ebenfalls eine stärkere Neigung, später selbst Kinder zu missbrauchen.

Schätzungen zufolge werden drei bis siebenunddreißig Prozent der Jungen in Großbritannien sexuell missbraucht. "Wenn wir die Mechanismen, die zu sexuellem Missbrauch im Jugend- und Erwachsenenalter führen, besser verstanden haben, haben wir die Möglichkeit, effektivere vorbeugende Maßnahmen zu entwickeln", sagt Skuse.
ddp/bdw - Christine Amrhein


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