Die Besiedler Asiens nahmen südliche Route

Die Bewohner der Andamanen-Inseln im Golf von Bengalen gaben Anthropologen seit viktorianischen Zeiten Rätsel auf. Mit ihrem kleinen Wuchs, ihrer dunklen Haut und den krausen Haaren ähneln die Südostasiaten dem afrikanischen Volk der Pygmäen. Eine Genstudie von Alan Cooper von der University of Oxford zeigt jetzt, dass die Andamanen-Insulaner zwar zu den ältesten Völkern Asiens zählen, mit Afrikanern aber nicht näher verwandt sind als andere Asiaten.
Die Mitochondrien-DNA der meisten Asiaten gehört zum Typ der so genannten Haplogruppe M, berichten Cooper und seine Kollegen im "American Journal of Human Genetics" (Bd. 72, S. 178). Da die Mitochondrien-DNA nur über die Mutter vererbt wird, können Genforscher anhand dieses Erbmaterials feststellen, wann sich bestimmte Bevölkerungsgruppen getrennt haben.

Wie die Forscher herausgefunden haben, gehört das Erbmaterial der Andamanesen wahrscheinlich zur Untergruppe M2, die 53.000 Jahre alt ist. Damit sind die Andamanesen mit anderen isolierten Jäger- und Sammlervölkern auf dem indischen Subkontinent verwandt, die wahrscheinlich Nachfahren der ersten Asiaten sind. Sie erreichten Asien vor etwa 100.000 Jahren und breiteten sich über Pakistan und Indien wahrscheinlich nach Neuguinea und Australien aus, schreiben die Forscher.

"Die detaillierte Analyse von Haplogruppe-M-Genen wird uns helfen, die Routen, die die Besiedlung nahm, und ihre Geschwindigkeit herauszufinden", sagt Co-Autor Vincent Macauly von der University of Oxford. Da M2-Gene auch bei einem Teil der hellhäutigeren Inder zu finden sind, gehen die Forscher davon aus, dass die Ur-Asiaten bei späteren Siedlungs-Wellen in die neue Bevölkerung eingegliedert wurden.
Ute Kehse


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