Auch Neandertaler hatten Werkzeuge und schufen Kunstwerke

Die meisten Lehrbücher stellen die Frühgeschichte des Menschen folgendermaßen dar: Vor etwa 40.000 Jahren wanderte der moderne Mensch von Afrika aus nach Europa ein, brachte Anfänge von Kultur mit und verdrängte binnen kurzem seinen Vettern, den Neandertaler, der den damals recht unwirtlichen Kontinent schon länger besiedelt hatte. Diese Version wird jetzt von dem Anthropologen Geoffrey Clark von der Arizona State University angezweifelt.
Clark berichtete gestern auf der Tagung der American Association for the Advancement of Science, dass das plötzliche Auftauchen von Werkzeugen und Kunstgegenständen nicht unbedingt ein Zeichen dafür sein muss, dass die Menschen mit ihrer überlegenen Kultur den Neandertaler verdrängten. Seiner Meinung nach haben die kulturellen Veränderungen etwas mit der steigenden Bevölkerungsdichte beider Hominidengruppen zu tun: In der Zeit von vor 57.000 Jahren bis vor 24.000 Jahren war das Klima relativ mild, so dass die Bevölkerung langsam wuchs.

Nach Clarks Meinung begünstigte eine höhere Bevölkerungsdichte kulturelle Fortschritte. Aus diesem Zeitraum sind vereinzelt symbolische Gegenstände und stilisierte Werkzeuge bekannt. Als die Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren ihren Höhepunkt erreichte, wanderten Menschen und vielleicht auch Neandertaler nach Südeuropa, wo zu dieser Zeit zahlreiche Höhlenmalereien entstanden.

Wie Clark berichtete, wurden Kulturgegenstände sowohl zusammen mit menschlichen Überresten als auch mit Knochen von Neandertalern gefunden. Übergänge zwischen verschiedenen Techniken der Steinbearbeitung treten nicht überall in Europa gleichzeitig auf, sondern regional unterschiedlich. Nach Clarks Meinung war das Zusammenleben der beiden Hominidenarten viel komplexer als es die Lehrbücher bislang darstellen. "Die angeblichen 'plötzlichen Änderungen' im oberen Paläolithikum könnten allein auf eine höhere Bevölkerungsdichte zurückzuführen sein, die den selektiven Druck so stark erhöhte, dass bestimmte kulturelle Leistungen erstmals archäologisch sichtbar wurden", so der Forscher.

Ute Kehse


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