Schon die Ureinwohner Australiens veränderten den tropischen Regenwald

Noch bevor die Europäer in Australien einwanderten, lebten Tausende Aborigines in den tropischen Regenwäldern Nordaustraliens. Noch immer ist unklar, wann und woher sie auf den Kontinent kamen, ob sie Ackerbau betrieben und ob und wenn ja wie sie den Regenwald zu ihrem Nutzen veränderten. Der Anthropologe Richard Cosgrove hat nun eine große Anzahl von Steinäxten in Nord-Queensland gefunden, die darauf hindeuten, dass große Flächen des Urwaldes zu Zeremonialzwecken abgeholzt wurden. Dies meldet die Pressestelle der "Australian Nuclear Science and Technology Organisation", kurz ANSTO.
Der Forscher von der La Trobe University glaubt, dass er mit seinen Steinäxten die bislang frühesten Daten der Besiedelung Australiens unterbieten kann. Da die ältesten Hinweise für die Nutzung von Regenwald aus Melanesien stammen, hält er es außerdem für wahrscheinlich, dass die ersten Australier nicht wie vermutet aus Südostasien stammen, sondern von den melanesischen Inseln. Demzufolge hätte die erfolgreiche Ausbeutung und Manipulation des australischen Regenwaldes eine lange Tradition, die noch vor die Überflutung der Torres-Strait-Island-Landbrücke vor etwa 11.000 Jahren zurückreicht.

Bislang fehlen Cosgrove noch Daten als Beweis für seine Hypothese, dass die ersten Australier bereits im Pleistozän (1,6 Mio bis 11.000 Jahre vor unserer Zeit) nach Australien kamen. Doch er arbeitet mit der Australian Nuclear Science and Technology Organisation zusammen, die bald mittels C-14-Datierung und Thermolumineszenz Daten liefern sollen. Die ältesten Felszeichnungen dieser Region sind übrigens auf 32.000 Jahre datiert worden, wie eine Studie der Queensland University zeigt. Außerdem konnte die älteste menschliche Besiedlung von Queensland in der Nurrabullgin Höhle auf 37.000 Jahre datiert werden.

Derzeit untersucht Cosgrove ein Gebiet in Nord Queensland zwischen Mossman, Cardwell und dem Atherton Tafelland in dem vor der europäischen Einwanderung ungefähr 5.500 Ureinwohner lebten. "Die Subsistenzwirtschaft der Ureinwohner drehte sich um die Vorräte an Nüssen und Früchten. Während der Regenzeit gab es genug Nahrungsmittel, die es erlaubten, große zeremonielle Zusammenkünfte abzuhalten. Ging der Vorrat an einem Tanzplatz zur Neige, so zog man eben zum nächsten Platz", so Cosgrove. Gegen Ende der Regenzeit aßen die Menschen zusätzlich Ratten, Schlangen, Krokodile, Eidechsen, Schildkröten, Vögel, Opossum und Fisch. Die Überreste dieser Tiere fand man in Höhlen tief im Regenwald.

Untersuchungen haben ergeben, dass sich die 12 Regenwaldstämme dieses Gebietes sowohl in ihrer Physiologie, als auch in ihrer Wirtschaftsweise von ihren Nachbarn in semiariden Gegenden unterscheiden. Viele ihrer Artefakte existieren noch heute: lange Schwerter aus Hartholz, große bemalte Holzschilde aus der Wurzel des Feigenbaumes, geschlagene Rindentücher.
Birgit Kahler


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