Forscherin: Babys, die ihrem Vater nicht ähnlich sehen, haben evolutionären Vorteil

Für ein Baby ist es das beste, dem Vater nicht besonders zu ähneln. Falls es nämlich das Ergebnis eines Seitensprungs ist, hat die Mutter noch die Möglichkeit, gegenüber ihrem Ehemann angebliche Ähnlichkeiten des Babys mit ihm in das Gesicht hineinzudeuten. Damit wäre gewährleistet, dass der Mann sich an der Ernährung und Erziehung des Kleinen beteiligt. Diese These beschreibt Paola Bressan von der Universität Padua in der Zeitschrift "Acta Ethologica", meldet "Nature" in seiner Online-Ausgabe.
Eigentlich könnte man vermuten (und man tat das auch bisher), dass Babys, die ihren Vätern "wie aus dem Gesicht geschnitten" sind, die besten Chancen auf die Zuwendung und die Bereitschaft zur Versorgung durch den Vater haben. Das gilt aber, so Bressan, nur dann, wenn man die Möglichkeit des Seitensprungs unbeachtet lässt. Denn wenn ein Mann in seinen Genen tatsächlich sehr markante äußerliche Eigenschaften hat, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Kind ausprägen, dann mag das für das eigene Kind, das er zusammen mit seiner Ehefrau gezeugt hat, von Vorteil sein.

Wenn er aber das Kind mit einer Geliebten gezeugt hat, die ihrerseits verheiratet ist, kann diesem Kind in der anderen Familie schwere Vernachlässigung bis hin zum Kindsmord drohen. Ist der Vater aber wegen des "unmarkierten" Aussehens des Babys nur unsicher oder leicht beunruhigt, nimmt er dennoch die Versorgung des Babys auf sich.

Mark Pagel von der University of Reading, der die Studie kommentiert hat, bestätigt durch seine Beobachtungen, dass die Evolution offenbar einen Vorteil darin sieht, Babys oft weder "nach ihm" noch "nach ihr" aussehen zu lassen. Er weist darauf hin, dass in den europäischen Breiten sehr viele Babys mit zunächst blonden Haaren und blauen Augen zur Welt kommen. Allerdings räumt er ein, dass die Natur auch vermeiden muss, wirklich alle Babys "anonym" aussehen zu lassen. Wenn die Männer nämlich erkennen müssten, dass sowieso immer ein Baby wie das andere aussieht, verringert sich generell die Einsatzbereitschaft für den Nachwuchs zu sehr. Daher muss es auch immer wieder Babys geben, die den Vätern faktisch sehr stark ähneln.

Doris Marszk


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Eine kurzweilige Führung durch den Bienenstock mit einer erhellenden Dosis Wissenschaft – das bietet das Buch "Die Honigfabrik" von Jürgen Tautz.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe