Frühmenschen vor mindestens 1,7 Millionen Jahren aus Afrika ausgewandert

Die Frühmenschen (Hominiden) sind offenbar vor mindestens 1,7 Millionen Jahren aus Afrika ausgewandert. Dies legen Funde in der Nähe des israelischen Ortes Erk-el-Ahmar nahe, die ein amerikanisch-israelisches Forscherteam mit Hilfe der Magnetstratigraphie datiert hat. Die gefundenen Werkzeuge und Gegenstände sind demnach zwischen 1,7 und 2 Millionen Jahren alt und damit die ältesten frühmenschlichen Spuren außerhalb Afrikas. Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler in der Zeitschrift "Geology" veröffentlicht.
Shaul Levi, emeritierter Professor für Ozeanographie an der Oregon State University, Hagai Ron vom Geophysikalischen Institut von Israel und ihre Kollegen haben ihre Daten mithilfe der Umkehrungen des erdmagnetischen Feldes gewonnen, die Spuren in der Sediment-Formation hinterlasen haben. "Das erdmagnetische Feld hat seine Polarität in den letzten 50-60 Millionen Jahren mehrmals geändert", erklärt Levi. "Einige dieser Umkehrungen, vor allem in den letzten fünf Millionen Jahren, sind altersmäßig gut zu bestimmen. So können wir die Daten der Umkehrungen bis auf 300.000 Jahre genau eingrenzen. In der Geschichte des Menschen ist das eine lange, lange Zeit, aber in geologischen Zeiträumen gerechnet ist das überhaupt nicht viel."

Die paläomagnetische Methode ist sowohl angesichts des Alters als auch der geologischen Beschaffenheit der Fundstätte die beste Wahl. "Karbondatierung ist nur gut für einen Zeitraum bis zu 50.000 Jahren und hängt von der Verfügbarkeit von genügend Kohlenstoff und anderem organischem Material ab", erläutert Levi. "Die Kalium-Argon-Datierung reicht zwar für einen Zeitraum zwischen 10.000 und 1 Milliarde Jahren, je nach Gestein, aber diese Methode erfordert vulkanisches Material, wie Lava-Flüsse oder vulkanische Asche. Da es in Erk-el-Ahmar kein vulkanisches Material gibt und sein Alter den Zeit-Bereich der Karbon-Datierung bei weitem übersteigt, kann keine dieser beiden Methoden genutzt werden. Paläomagnetismus zeigt hier einen dritten Weg."

Die These von Levi und Ron unterstützt die so genannte Out-of-Africa-Hypothese, derzufolge die Wiege der Menschheit nur in Afrika stand und der Mensch von hier aus in die Welt gezogen ist. Der Beginn der menschlichen Evolution wird von den meisten Wissenschaftlern auf das späte Miozän oder frühe Pliozän eingegrenzt ? also vor vier bis fünf Millionen Jahren. Weniger einig ist man sich hingegen bei der Frage, wann der Mensch Afrika verlassen hat. Als eine der ältesten Stätten galt bisher die Ubeidiya-Formation in der Nähe des Sees von Genezareth. Diese Stätte ist auf 1,4 Millionen Jahre datiert worden. Somit hat Erk-el-Ahmar gute Chancen, tatsächlich die älteste Hominiden-Stätte außerhalb Afrikas zu sein.
Doris Marszk


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