Knackige Termiten - Frühe Hominide jagten mit Knochenwerkzeugen in Termitenhügeln


Nahe Verwandte früher Menschen, bisher von vielen Forschern für Vegetarier gehalten, gruben vor ein bis zwei Millionen Jahren nach Termiten. Dies ergab eine Analyse von Kratzspuren auf den ältesten bekannten Knochenwerkzeugen, die man in Südafrika gefunden hat. Benutzt hat die Werkzeuge wahrscheinlich der Hominide Australopithecus robustus, erklären Lucinda Backwell von der Johannesburger Universität Witwatersrand und Francesco d'Errico vom französischen Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" vom 16. Januar. A. robustus hat sich mit den Termiten eine reichhaltige Nahrungsquelle erschlossen: "Ein Rump-Steak bringt 322 Kalorien pro hundert Gramm, Termiten dagegen 560", so die beiden Wissenschaftler.

Die Forscher untersuchten mit Licht- und Elektronenmikroskopie die ein bis zwei Millionen Jahre alten Knochenwerkzeuge aus Fundstätten in Swartkrans und Sterkfontein. Die Kratzspuren darauf verglichen sie mit jenen auf Werkzeugen aus Antilopenknochen, mit denen die Forscher in verschiedenen Termitenhügeln gegraben hatten. "Unsere Analyse zeigt, dass Hominide über einen Zeitraum von einer Million Jahren Termiten verspeist haben", schreiben die Wissenschaftler.

Damit bestätigen Backwell und d'Errico frühere Untersuchungen, die das Verhältnis der verschiedenen Kohlenstoff-Isotope in Knochen von A. robustus und Ameisenbären verglichen hatten. Die Forscher fanden dabei auffallend ähnliche Isotopenverhältnisse, die gut mit der Nahrung von Termiten übereinstimmten.

Für die Termitenjagd wählten die Hominiden zudem nicht irgendwelche Knochen, sondern verwendeten nur die längsten, geradesten und kräftigsten. Die Forscher sind sich allerdings nicht völlig sicher, ob diese Leistung A. robustus zuzuschreiben ist, der nicht direkt in der Ahnenlinie heutiger Menschen steht. Zur gleichen Zeit lebten nämlich auch frühe Menschen in der Region um Swartkrans und Sterkfontein. Von ihnen nimmt man an, dass sie öfter Fleisch verzehrten als A. robustus. Allerdings verwendeten die Menschen eher Stein- als Knochenwerkzeuge.

ddp, Marcel Falk

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