Auch eine Untersuchung von Schädelknochen legt eine multiregionale Entstehung des Menschen nahe

Harter Überlebenskampf
Die Vorgänger des modernen Menschen stammen wahrscheinlich nicht, wie bislang angenommen, aus einer einzigen, sondern aus verschiedenen Gegenden der Erde. Zu diesem Ergebnis kommen amerikanische Anthropologen in einer Studie, die in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science erschienen ist. Die Wissenschaftler untersuchten fossile Schädelknochen und solche von frühen modernen Menschen.

Die Untersuchungen an dem fossilen Material zeigen nach Milford H. Wolpoff, dem führenden Autor der Studie klar, dass sich nicht nur eine einzige regionale Population, sondern offensichtlich mehrere im harten Überlebenskampf durchsetzten und sich erfolgreich weiterentwickelten.

Dies widerspricht der allgemeinen Auffassung, wonach alle heutigen Menschen von einer einzigen, relativ kleinen, wahrscheinlich aus Afrika stammenden Gruppe abzuleiten sind, die vor etwa 100.000 Jahren lebte. Nach der Theorie starben alle anderen frühen Populationen, die in der Zeit zwischen 2 Millionen und 100.000 Jahre auftraten, aus, so dass nur diese einzige Gruppe überlebte und zum Ursprung des modernen Menschen wurde.

In ihrer Analyse untersuchte das Wissenschaftlerteam die Schädel früh-moderner Menschen aus Australien und Mitteleuropa (Tschechien) - beides Gebiete, die weit entfernt von Afrika liegen, dem vermeintlichen Ursprungsgebiet unserer Vorfahren. Die 20.000 bis 30.000 Jahre alten Knochen verglichen Wolpoff und seine Kollegen mit älteren Fossilien, die als mögliche Vorfahren in Frage kommen: Archaische Schädel aus den gleichen Fundgebieten und noch ältere aus Afrika und dem Nahen Osten.

Die Wissenschaftler verglichen die Schädelmerkmale und registrierten den Grad der anatomischen Übereinstimmung. Dabei stellten sie fest, dass das australische und europäische Material untereinander auffällige Übereinstimmungen aufwies, die sie zugleich jedoch deutlich von dem älteren Material aus Afrika und Nahost unterschied. Hinzu kommt, dass die frühen modernen Schädel aus Australien und Mitteleuropa archaischen Funden aus den gleichen Regionen sehr viel ähnlicher sind als den afrikanischen. Die Wissenschaftler leiten daraus ab, dass der moderne Mensch nicht auf eine einzige, relativ kleine, sich global ausbreitende Population zurückgeführt werden kann, sondern dass sein Aufkommen das Resultat einer multiregionalen Evolution war.

Olaf Elicki

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