Steinzeitlicher Fähr-Verkehr im Mittelmeer

Die Insel Zypern könnte eine Schlüsselrolle in der Siedlungsgeschichte gespielt haben. Harvepino/iStock

Nach Zypern und zurück vor mehr als 10.000 Jahren: Die Insel im östlichen Mittelmeer könnte eine Schlüsselrolle bei der Ausbreitung von Ackerbau und Viehzucht gespielt haben. Die Pioniere der neuen Lebensweise haben sich hier vermutlich das Know-how für die Seefahrt angeignet und sich dann über den Seeweg im Mittelmer ausgebreitet. Über dieses Thema berichtet der bdw-Autor Thorwald Ewe in der August Ausgabe der Zeitschrift bild der wissenschaft.

Funde auf Zypern belegen: Bereits ab 9000 v.Chr. waren die Bewohner der Insel keine Jäger und Sammler mehr, sondern bestellten schon Felder und hielten Nutztiere. Doch wie war diese neuartige Lebenform hier her gelangt? Diese Frage steht derzeit im Fokus der Forschung, wie Thorwald Ewe berichtet. Die Menschen der Ära des sogenannten vorkeramischen Neolithikums hatten offenbar samt Saatgut und Nutztieren die vom Festland mindestens 65 Kilometer entfernte Insel erreicht. Vermutlich gelang ihnen dies durch Flöße, die mit Paddeln angetrieben wurden, sagen Archäologen.

Auf welcher Route die Menschen nach Zypern gelangten, haben israelische Forscher anhand von meteorologischen und hydrografischen Untersuchungen rekonstruiert. Demnach kommt nur die türkische Südküste als Startort in Frage. Hier blies zwischen April und Oktober schon vor 10.000 Jahren ein beständiger Nordwestwind in Richtung Zypern. Östlich der Insel wehte der Wind hingegen in Richtung syrisch-libanesische Küste.

Der Windrichtung entsprechend

Wie Thorwald Ewe berichtet, gibt es Hinweise darauf, dass es beständige Verbindungen zwischen Zypern und dem Festland gab. Ein Fähr-Verkehr könnte sich entwickelt haben: von der Südküste Kleinasiens nach Zypern. Zurück zum Festland ging es dann über die libanesische Küste. Von dort aus konnte man in Landnähe erneut bis zur türkischen Südküste paddeln, um wieder nach Zypern überzusetzen.

Nachdem sich die Seefahrt nach Zypern und zurück einmal etabliert hatte, könnte das angesammelte Know-how die Menschen auch zu ausgedehnteren Touren ermutigt haben. Dies scheint sich in Funden abzuzeichnen: Um 8000 v.Chr. tauchten die ersten domestizierten Rinder auf Zypern auf. Etwa 7000 v.Chr. sind sie auf Kreta nachweisbar und ab 6000 v.Chr. siedelten neolithische Auswanderer schließlich an den Küsten der Adria. Die Kolonisation auf dem Seeweg spielte bei der ersten neolithischen Expansion nach Europa wahrscheinlich ­eine tragende Rolle - und Zypern könnte dabei eine Schlüsselrolle eingenommen haben, so das Fazit.

Den vollständigen Artikel "Steinzeit-Shuttle nach Zypern" finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift bild der wissenschaft.

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