Schmausten Neandertaler Lachs?

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Keulenschwingende Primitivlinge, die dem modernen Menschen unterlegen waren und deshalb ausstarben - das war lange Zeit das Image des Neandertalers. Doch die Forschung der letzten Jahrzehnte hat immer deutlicher gezeigt: Die Neandertaler waren eine hochentwickelte Menschenform, die dem Homo sapiens vermutlich durchaus ebenbürtig war. Doch warum konnten unsere Vorfahren sie dann vor rund 40.000 Jahren verdrängen? Einer Hypothese zufolge könnte der Speiseplan der Neandertaler zu einseitig gewesen sein: Während sie nur große Säugetiere jagten, nutzten die modernen Menschen ein breiteres Nahrungsspektrum, darunter auch Fisch. Deutsche Forscher haben nun allerdings indirekte Hinweise darauf gefunden, dass vermutlich auch die Neandertaler Fisch in ihren Höhlen schmausten.

Wie sich Menschen einst ernährt haben, untersuchen Wissenschaftler häufig über die Funde von Tierknochen und anderen Überresten in den Höhlen, in denen die Menschen damals lebten. So auch an der Kudaro 3 genannten Fundstelle an den nördlichen Hängen des Kaukasusgebirges: Dort wurden in den archäologischen Schichten des Mittelpaläolithikums Gräten von großen Lachsen gefunden, die auf ihrer Wanderung vom Meer zu ihren Laichplätzen im Süßwasser unterwegs waren. Doch wer hat sie in die Höhlen geschleppt? In Frage kommen: Asiatische Höhlenbären der Art Ursus kudarensis, Höhlenlöwen der Art Panthera spelaea oder aber Neandertaler.

 

Höhlenbär und Höhlenlöwe fraßen keinen Lachs

 

Der Frage, wer die Fischesser waren, sind Forscher um Hervé Bocherens von der Universität Tübingen in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg und dem Königlich Belgischen Institut für Naturwissenschaften in Brüssel nachgegangen. Um zu überprüfen, ob sich Höhlenbär und Höhlenlöwe von Fischen ernährt hatten, verglichen die Forscher Kollagenproben von fossilen Knochen beider Tiere mit Proben der Gräten. Sie analysierten dazu die Muster verschieden schwerer Atome, den sogenannten Isotopen, von Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel. Die Ergebnisse zeigten, dass weder Höhlenbären noch Höhlenlöwen in diesem Gebiet Fischfresser waren - ihr Isotopenmuster passte nicht zu dem der Gräten. Leider standen entsprechende Kollagenproben im Fall der Nenadertaler nicht zur Verfügung. Es handelt sich also nur um einen indirekten Hinweis darauf, dass sie die Fischgräten vor 42.000 bis 48.000 Jahren in der Höhle aufgehäuft haben könnten.

 

 

Die Forscher sehen darin aber durchaus ein starkes Indiz gegen die Hypothese, dass der moderne Mensch einen Vorteil durch Fisch als Nahrungsquelle besaß. „Die Studie liefert uns den indirekten Hinweis, dass mittelpaläolithische Menschen, vermutlich Neandertaler, Fisch aßen, wenn er verfügbar war. Die Ernährung von Neandertalern und anatomisch modernen Menschen war nicht grundsätzlich verschieden", meint Bocherens. Er geht deshalb davon aus, dass der Speiseplan der Neandertaler nicht der einzige Grund für ihren Untergang gewesen sein kann.

 

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