Mit blauen Augen auf der Pirsch

Dunkler Teint aber blaue Augen: so könnte der Urzeit-Jäger ausgesehen haben (CSIC)

Die Erfindung des Ackerbaus war einer der bedeutsamsten Momente in der Geschichte der Menschheit. Der drastische Wandel des Lebensstils hinterließ Spuren in unseren Genen – welche, das entschlüsseln Forscher nun mit Hilfe eines 7.000 Jahre alten Genoms. Der Spender: ein Jäger und Sammler, dessen Skelett in Spanien gefunden wurde. Sein Erbgut verrät unter anderem, wie unsere Vorfahren damals aussahen.

Von Milch bekam er vermutlich Blähungen. Auch Stärke zu verdauen zählte nicht zu seinen Stärken. Aber hatte er hübsche blaue Augen, dunkle Haare und eine gesunde Bräune. Dafür, dass der hier beschriebene Mann  bereits vor 7.000 Jahren in den Tiefen eines spanischen Höhlensystems sein Leben aushauchte, wissen Paläoanthropologen erstaunlich viel über ihn. Ihre Einblicke verdanken sie der Tatsache, dass das Skelett des Jägers und Sammlers die Jahrtausende an einem gleichbleibend kühlen, dunklen Ort überdauerte. Die Bedingungen waren so günstig, dass sich aus einem Zahn von „La Braña 1" genug DNA gewinnen ließ, um sein vollständiges Genom zu sequenzieren. Die Ergebnisse veröffentlichen Iñigo Olalde von Institut de Biologia Evolutiva in Spanien und seine Kollegen nun in der Fachzeitschrift „Nature".

Forscher haben in den letzten Jahren so manchem uralten Skelett ins Erbgut geschaut. Das Genom des Ötzi wurde durchleuchtet, ja sogar das eines Neandertalers. Doch über die genetischen Eigenheiten der europäischen Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit wissen Forscher noch sehr wenig. Sie könnten Aufschluss darüber  liefern, welche der heute verbreiteten Erbanlagen wir bereits seit  vielen Jahrtausenden in uns tragen – und welche Veränderungen erst auftauchten, als die Bewohner Europas in der Jungsteinzeit begannen, Land zu bestellen und Tiere zu züchten.

Schwarze Haare, blaue Augen

Ein Unterschied zwischen La Braña und dem modernen Durchschnittseuropäer ist, dass ersterer laktoseintolerant war. Von jenem Gen, das die Bauanleitung für das Protein Amylase in unserem Speichel liefert, hatte er zudem lediglich fünf Kopien – eine Zahl, die auf eine stärkearme Ernährung hindeutet. „Die Ergebnisse legen nahe, dass der Jäger und Sammler von La Braña Milch und Stärke schlecht verdauen konnte", schreiben die Forscher. „Das wiederum stützt die Hypothese, dass diese Fähigkeiten erst während des späteren Übergangs zur Landwirtschaft evolutionär bevorzugt wurden."

Auch optisch unterschied sich der Urzeit-Jäger von den heutigen Bewohnern unseres Kontinents. Seine Haut war stark pigmentiert, seine Haare vermutlich braun oder schwarz, seine Augen jedoch blau. Offensichtlich setzten sich Allele für eine schwache Pigmentierung der Haut in einigen europäischen Populationen erst später durch als Allele, die ihrem Träger blaue Augen bescheren. Unter den heutigen Europäern ähnelt La Brañas genetische Austattung übrigens am stärksten jener von Finnen und Schweden.

Zu guter Letzt nahmen die Wissenschaftler das Immunsystem des Jägers und Sammlers unter die Lupe. Er besaß bereits einige der Genvarianten, die moderne Europäer gegen Infektionen schützen. Andere setzten offenbar erst später durch – möglicherweise als Reaktion auf den engen Kontakt mit Tieren und ihren Erregern, den die Landwirtschaft mit sich brachte.

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