Hier fielen keine Mammuts von den Klippen

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Kolosse stürzen in Panik von einem Kliff, gehetzt von brüllenden Neandertalern mit Fackeln – das galt bisher als Erklärung für die Massen von Mammut- und Wollnashorn-Knochen, die am Fuß der Cotte de St Brelade auf Insel Jersey lagern. Hier befindet sich nämlich auch eine Höhle, in der Archäologen viele Spuren von Neandertalern entdeckt haben. Doch nun widersprechen britische Forscher der Theorie von den spektakulären Treibjagden und Massenabschlachtungen. Ihnen zufolge sei das Gelände dafür ungeeignet gewesen. Es sei eher wahrscheinlich, dass die archaischen Menschen die Knochen zusammengetragen haben, um sie als Brennstoff oder Baumaterial zu nutzen.

Kolosse stürzen in Panik von einem Kliff, gehetzt von brüllenden Neandertalern mit Fackeln – das galt bisher als Erklärung für die Massen von Mammut- und Wollnashorn-Knochen, die am Fuß der Cotte de St Brelade auf Insel Jersey lagern. Hier befindet sich nämlich auch eine Höhle, in der Archäologen viele Spuren von Neandertalern entdeckt haben. Doch nun widersprechen britische Forscher der Theorie von den spektakulären Treibjagden und Massenabschlachtungen, die hier stattgefunden haben sollen. Ihnen zufolge sei das Gelände dafür ungeeignet gewesen. Es sei eher wahrscheinlich, dass die archaischen Menschen die Knochen zusammengetragen haben, um sie als Brennstoff oder Baumaterial zu nutzen.

Die Höhle von La Cotte de St Brelade auf der Kanalinsel Jersey gilt als eine der bedeutendsten Neandertaler-Fundstätten Nord-Europas. Viele Steinwerkzeuge und auch fossile Überreste zeugen davon, dass über eine Zeitspanne von 200.000 Jahren hinweg immer wieder Neandertaler in ihr hausten. Nur in besonders kalten Klimaphasen mussten sich die archaischen Menschen aus dieser Region zurückziehen. Bei der Frage, wie die Massen von Mammut- und Wollnashorn-Knochen zur Cotte de St Brelade gekommen waren, richteten Forscher bisher ihren Blick zur Fels-Kante hinauf. Es schien, als wären die Tiere einst von dort hinabgestürzt. So entstand die Theorie von den gezielten Treibjagden der Neandertaler. Doch die Forscher um Beccy Scott vom Britischen Museum sagen nun, dass es diese spektakulären Szenarien nie gegeben hat.

Ihre Untersuchungen des Geländes machen sehr unwahrscheinlich, dass Neandertaler in der Lage gewesen wären, die riesigen Tiere bis an die Kliff-Kante zu treiben. Das Areal war nämlich steinig und uneben: Mammuts und Wollnashörner hätten regelrecht klettern müssen, um an den Ort des Verderbens zu gelangen. Auf dem Weg geht es steil hinunter und wieder hoch, berichten die Forscher: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie Neandertaler Mammuts dazu bewegt haben könnten, diesen Weg zu nehmen", sagt Scott.

Zusammengetragen als Brennstoff und Baumaterial

Doch warum haben sich die archaischen Menschen dann hier überhaupt niedergelassen und wie kam es zu den Knochenansammlungen? Bei dieser Frage blicken die Forscher nun von La Cotte de St Brelade aus hinaus aufs Meer, anstatt hinauf zur Fels-Kante. Wo heute Meeresboden ist, war nämlich vor 180.000 Jahren das Jagdgebiet der Neandertaler – der Meeresspiegel lag zu diese Zeit deutlich tiefer als heute und so war Jerseys damals keine Insel, sondern ein hochgelegenes Areal. La Cotte de St Brelade stellte demnach vermutlich einen idealen Aussichtspunkt dar: Von hier aus konnten die Neandertaler ihre Beutetiere schon von weitem erspähen. Rekonstruktionen der ehemaligen Landschaft zeigen den Forschern zufolge, dass es hier viele Täler mit Sackgassen gab, die sich gut eigneten, um die Beutetiere zu stellen und zu erlegen. „Die Neandertaler hatten von La Cotte de St Brelade aus einen idealen Überblick und konnten dann zur Jagd ausrücken", resümiert Scott.

Die Jäger schleppten die Knochen der Beutetiere den Forschern zufolge vermutlich zur Höhle, denn neben Nahrung boten sie weitere wichtige Nutzungsmöglichkeiten: Man konnte sie zum Bau von Behausungen verwenden aber vor allem auch als Brennmaterial. Knochen bieten nämlich eine energiereiche Alternative zu Feuerholz und es ist bereits bekannt, dass Neandertaler dieses Potenzial nutzten. Viele Knochenreste der Cotte de St Brelade weisen auch entsprechende Brennspuren auf, berichten die Forscher. Die Verursacher der Knochenansammlungen von La Cotte de St Brelade waren demnach also durchaus die Neandertaler, doch das Resultat einer spektakulären Jagdstrategie waren sie  nicht, so das Fazit von Scott und ihren Kollegen.
 

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