Die Umwelt formt Götter

Diese Abbildung zeigt dei Verteilung von Gesellschaften, die an moralisierende Götter glauben (blau) und solche, die das nt tun (rot). Credit: Carlos Botero

Jehova, Allah, Shiva... Die Menschen der unterschiedlichen Regionen der Erde haben im Laufe der Geschichte viele verschiedene Religionen und Vorstellungen von Gottheiten hervorgebracht. Ein internationales Forscherteam hat diese Glaubensrichtungen nun einer analytischen Betrachtung unterzogen - sie wollten herausfinden, welche Faktoren ihren Charakter prägten. Dabei kristallisierte sich ein interessanter Aspekt heraus: Gesellschaften, die sich in harten Lebensräumen entwickelt haben, glauben häufig an moralisierende Gottheiten.

Er hat alles erschaffen, beherrscht das Geschehen auf der Erde und die Schicksale der Menschen. Sie müssen wiederum seine klaren Regeln befolgen, andernfalls hat das negative Konsequenzen. Diese Beschreibung charakterisiert einen moralisierenden, erhabenen Gott. Die Vorstellungen einiger Religionen, darunter des Islam, des Judentums und auch des Christentums, entsprechen mehr oder weniger diesem Bild. in anderen Religionen glauben die Menschen hingegen nicht an erhabene Moral-Wesen sondern beispielsweise an Geister, welche die Natur „beseelen" oder ihr Glaube basiert auf dem Bestreben nach innerer Erleuchtung anstatt der Anbetung von Göttern.

Um den Entwicklungsgrundlagen der Religionen nachzugehen, haben die Forscher um Russell Gray von der University of Auckland die Weltanschauungen von 583 Gesellschaften aus allen Regionen der Erde untersucht und sie mit den historischen, sozialen und ökologischen Faktoren der entsprechenden Kulturen abgeglichen. Durch statistische Methoden entwickelten die Forscher ein Modell, aus dem hervorgeht, welche Faktoren im Zusammenhang mit den Charakteristika der jeweiligen Religionen stehen.

Harsche Umwelt - Götter mit erhobenem Zeigefinger

Die Auswertungen der Forscher verdeutlichten einen Faktor, der offenbar eine wichtige Rolle gespielt hat: Gesellschaften, die sich in Umwelten entwickelt haben, in denen Nahrung und Wasser knapp sind, glauben eher an moralisierende Gottheiten. "Wenn das Leben besonders hart oder unsicher ist, glauben die Menschen an ausgesprochen große Götter", bringt Gray das Ergebnis auf den Punkt. Möglicherweise bot dieser Glaube für die betreffenden Gemeinschaften Vorteile, sagen die Forscher. Es ist bereits aus anderen Studien bekannt, dass religiöse Vorstellungen mit starken moralischen Regeln kooperatives Verhalten fördern. Dies erscheint unter schwierigen Lebensbedingungen natürlich besonders vorteilhaft.

Den Forschern zufolge gibt es noch weitere Faktoren, die für Gesellschaften charakteristisch sind, die Religionen mit erhabenen Gottheiten entwickelt haben: Es handelt sich um Kulturen mit ausgeprägten politischen Strukturen, die über regionale Gemeinschaften hinausgehen. Eine typisches Merkmal dieser Gesellschaften sei beispielsweise auch die organisierte Viehhaltung, sagen die Forscher.

Ein Modell sagt Merkmale voraus

Unter Einbeziehung aller anderen Faktoren und der besagten ökologischen Faktoren erreicht das Modellsystem der Forscher eine 91-prozentige Genauigkeit bei der Vorhersage, inwieweit die Gottheiten von Menschen einer bestimmten Region moralisierende Charakteristika aufweisen. "Das Gesamtbild ist, dass der Glaube letztlich durch eine Kombination von historischen, ökologischen und sozialen Faktoren geprägt ist", resümiert Co-Autor Carlos Botero von der North Carolina State University in Raleigh. Das Team will nun an dem Forschungsthema dran bleiben und weiter ins Detail gehen: Die Forscher planen Prozesse zu erforschen, die beispielsweise zur Entwicklung von Tabus, Beschneidungs-Praktiken oder zu anderen kulturellen Merkmalen von Gesellschaften geführt haben.

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