Lucys neuer Zeitgenosse

Schädel des Australopithecus "Little Foot" (Jason Heaton)

Die Höhle von Sterkfontein in Südafrika gilt als einer der reichsten Fundorte für Vormenschenfossilien weltweit. Vor allem Vertreter der Vormenschengattung Australopithecus haben Paläontologen hier entdeckt. Eines dieser Fossilien sorgt nun für eine Überraschung: Das Skelett "Little Foot" ist einer neuen Datierung nach sogar schon 3,67 Millionen Jahre alt. Er war damit ein Zeitgenosse der berühmten Lucy, des in Äthiopien entdecken Fossils eines Australopithecus afarensis. Damit lebten damals zur gleichen Zeit zwei sehr verschiedenen Arten dieses Vormenschen in Afrika – wie genau ihre Verwandtschaftsbeziehungen waren, muss nun geklärt werden.

1997 machten Paläontologen in der Höhle von Sterkfontein einen aufregenden Fund: Im Kalkstein der Höhle stießen sie auf die verstreuten Knochen eines Australopithecus - eines der Vormenschen, aus denen sich später die ersten Vertreter der Gattung Homo entwickelten. Seither sind die Forscher dabei, die zerbrechlichen Überreste aus dem Stein zu bergen. Schon jetzt jedoch zeichnet sich ab, dass "Little Foot", wie der Fund getauft wurde,  das vollständigste Skelett eines Australopithecus sein könnte, das jemals gefunden wurde. Und noch etwas ist inzwischen klar: Das Fossil gehört zu einer anderen Art als "Lucy" – das berühmte Skelett eines gut drei Millionen Jahre alten Australopithecus afarensis, das 1974 im Afar-Dreieck Äthiopiens entdeckt wurde. Denn Little Foot ist etwas größer, hat ein flacheres, längeres Gesicht und kräftigere Backenzähne. Er ähnelt damit in vielem der Art Australopithecus africanus, die rund eine Million Jahre nach Lucy lebte.

Wann lebte "Little Foot"?

Doch eine genaue Einordnung von "Little Foot" in den Menschenstammbaum ist schwierig – vor allem, weil das Skelett bisher nicht eindeutig datiert werden konnte. Der Grund dafür: Das Alter der Knochen lässt sich nur indirekt, durch Datierung des umliegenden Gesteins bestimmen. Aber der Untergrund der Höhle in Sterkfontein besteht nicht aus säuberlich aufeinanderfolgenden Schichten. Stattdessen ist das Gestein stellenweise von Erosion abgetragen und durch tropfsteinähnliche Kalkablagerungen wiederaufgefüllt. Dadurch ist es schwer festzustellen, in welchen Horizont das Skelett gehört. Weil die meisten der Knochen von Kalkstein umgeben sind, hielten viele Forscher dieses bisher für ausschlaggebend. Eine Uran-Blei-Datierung dieses Gesteins ergab ein Alter von 2,2 Millionen Jahren. Doch andere, unter ihnen auch Ronald Clarke von der University of the Witwatersrand, zweifeln dies an. Sie sind der Ansicht, dass der Kalkstein erst nach dem Skeletts abgelagert wurde – "Little Foot" müsste daher älter sein.

Darryl Granger von der Purdue University in West Lafayette und seine Kollegen haben die Kontroverse nun wieder aufgegriffen und die Gesteinsschichten in der Sterkfontein-Höhle erneut gründlich untersucht. Dafür unterzogen sie elf Gesteinsproben von unterschiedlichen Stellen des Fundorts einer Isotopendatierung. Aus den Gehalten von Aluminium-16 und Beryllium-10 rekonstruierten sie die chronologische Abfolge der verschiedenen Gesteine und vor allem das Alter des Brekzien-Gesteins, das direkt unter und neben einigen der Knochen zutage tritt. Ihre Schlussfolgerung: Der Kalkstein bildet keine einheitliche Schicht, sondern füllte nur nachträglich Löcher im älteren Brekzien-Gestein aus – dem Gestein, dem sie auch das Skelett von Little Foot zuordnen. "Dieses wurde vor 3,67 Millionen Jahren abgelagert – und damit weit früher als die Tropfsteine", berichten Granger und seine Kollegen.

Das aber bedeutet, dass auch "Little Foot" gut eine Million Jahre älter ist als bisher angenommen. Er wird damit nicht zu einem Nachfolger, sondern zu einem Zeitgenossen des Australopithecus afarensis – der Vormenschenart, zu der auch "Lucy" gehörte. In der Zeit vor gut 3,5 Millionen Jahren lebten demnach in Ostafrika noch mehr Vormenschenarten als bisher gedacht. "Das wirft interessante Fragen über die Artenvielfalt der frühen Hominiden und ihre Verwandtschaftsverhältnisse auf", konstatieren Grander und seine Kollegen. Wie sich "Little Foot" in den Stammbaum einfügt, muss nun geklärt werden.

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