Wenige Generationen vom Neandertaler getrennt

Unterkiefer des Maannes aus der Oase-Höhle. Credit: MPI f. Evolutionary Anthropology/ Paabo

Wir sind ein bisschen Neandertaler - das haben Genanalysen bereits im Jahr 2010 belegt. Nun zeigt eine Studie: Der moderne Mensch hat sich nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Europa mit den Neandertalern vermischt. Das zeigen Erbgutanalysen eines Mannes, der vor 40.000 Jahren im heutigen Rumänien gelebt hat. In seinem Stammbaum besaß er nur vier bis sechs Generationen zurück einen Neandertaler-Vorfahren.

Der moderne Mensch und der Neandertaler waren Cousins: Ihre gemeinsamen Vorfahren entstanden einst in Afrika und breiteten sich dann über ihren Heimatkontinent hinaus aus. In Europa entwickelten sie sich anschließend zum Neandertaler weiter – in Afrika dagegen zum Homo sapiens. Vor etwa 70.000 Jahren wanderte der anatomisch moderne Mensch dann in Europa ein und verdrängte den Neandertaler. Er verschwand allerdings nicht spurlos: Heute lebende Europäer und Asiaten tragen zwischen einem und drei Prozent Neandertaler-DNA in ihrem Erbgut. Bisher vermutete man, dass sich die Homo sapiens-Auswanderer aus Afrika mit Neandertalern vermischten, als sie vor etwa 50.000 bis 60.000 Jahren im Nahen Osten aufeinander trafen. Funde belegen allerdings, dass die beiden Menschenformen auch in Europa noch bis zu 5.000 Jahre lang nebeneinander existierten. Auch in dieser Zeit hätte es demnach noch zu Vermischungen kommen können.

Nur vier bis sechs Generationen

Dass dies tatsächlich der Fall gewesen ist, belegen nun die aktuellen Ergebnisse. Sie basieren auf der Untersuchung eines 40.000 Jahre alten Kieferknochens aus der sogenannten Oase-Höhle im Südwesten Rumäniens. Einem internationalen Forscherteam gelang es, dem Fossil genetisches Material zu entlocken. "Wir hatten zuvor schon gezeigt, dass es sich tatsächlich um den bisher ältesten Fund eines modernen Menschen in Europa handelt, und nun wird durch die Forschung bestätigt, dass diese Person einen Neandertaler zum Vorfahren hatte. Was hätte man sich sonst noch wünschen können?", sagt Co-Autor Silviu Constantin von der Romanian Academy of Science, der an der Datierung der Fundstätte mitgearbeitet hat.

Die Analysen offenbarten im Detail: Etwa fünf bis elf Prozent der DNA des Mannes stammten von Neandertalern, darunter auch sehr lange Abschnitte einiger Chromosomen. Anhand der Länge dieser genetischen Abschnitte schlossen die Forscher, dass nur wenige Generationen ihn von einem Neandertaler-Ahnen trennten. Zu den Vorfahren der heutigen europäischen Bevölkerung scheint der Mann aus der Oase-Höhle allerdings nicht zu gehören, zeigten die genetischen Vergleiche. "Es kann sein, dass er Teil einer frühen Migration moderner Menschen nach Europa war, die eng mit Neandertalern interagierten, schließlich aber ausstarben", sagt David Reich von der Harvard Medical School, der die populationsgenetischen Untersuchungen der Studie koordinierte.

Hoffnung auf mehr Funde

"Es ist so ein fantastischer Glücksfall, eine Person zu finden, die so nah mit einem Neandertaler verwandt war", kommentiert Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, der die Studie leitete. "Ich konnte es kaum glauben, als wir die Ergebnisse zum ersten Mal gesehen haben." "Wir hoffen, dass wir anhand von Überresten weiterer moderner Menschen, die vor dem Aussterben der Neandertaler gelebt haben, das Miteinander von Neandertalern und modernen Menschen noch detaillierter rekonstruieren können", ergänzt Co-Autorin Mateja Hajdinjak.

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