Zuwachs im menschlichen Stammbaum!

Homo naledi. cc John Hawks_Wits University

15 Skelette mit ungewöhnlichen Merkmalen: Forscher haben eine bisher unbekannte Frühmenschenart in einer Höhle in Südafrika entdeckt. Die zierlich gebauten Wesen besaßen erstaunlich moderne Füße, aber eher primitive Zähne und Schultern. Noch ist unklar, wie alt die Fossilien sind, doch die Anthropologen vermuten bereits Spektakuläres: Der Homo naledi getaufte Frühmensch könnte zu den frühesten Vertretern unserer Gattung gehört haben. Und: Möglicherweise wurden die Toten sogar bestattet.

Die Überreste der 15 Hominiden stammen aus der  Rising-Star-Höhle in Südafrika. Sie wurden bereits 2013 entdeckt – in der Zwischenzeit wurde nun immer deutlicher: Dies ist ein Sensationsfund. Die Skelette von Kleinkindern und Erwachsenen gehören alle zur gleichen Art und sind relativ gut erhalten. "Fast alle Knochen des Körpers liegen uns mehrfach vor, so dass dieser Mensch uns bereits jetzt besser bekannt ist als alle anderen fossilen Vertreter unserer Abstammungslinie", sagt Lee Berger von der Universität Witwatersrand. Es handelt sich den Anthropologen zufolge um den bisher größten zusammengehörigen Fund fossiler menschlicher Überreste in Afrika.

Überraschende Merkmal-Mischung

Die Fossilien lagen in einer etwa 90 Meter vom Höhleneingang entfernten Kammer, die nur über einen schmalen Gang zugänglich war. Bisher gibt es noch keine genaue Datierung der Funde. Die Anthropologen vermuten aber, dass sie mehr als zwei Millionen Jahre alt sein könnten. Sie ordnen Homo naledi im unteren Bereich des menschlichen Stammbaums ein: "Homo naledi ähnelt den frühesten Vertretern unserer Gattung, zeigt aber auch einige überraschend menschenähnliche Eigenschaften, die ihm seinen Platz innerhalb der Gattung Homo sichern", sagt Co-Autor John Hawks von der University of Wisconsin in Madison. Es handelte sich offenbar um ein ausgesprochen zierliches Wesen: Den Schätzungen zufolge wurde Homo naledi nur 1,50 Meter groß und wog rund 45 Kilogramm. In seinem Köpfchen besaß er ein Gehirn von der Größe einer Orange.

In einigen Merkmalen ähnelte er bereits bekannten frühen Vertretern der Gattung Homo: Die Zähne und der Schädel des Homo naledi ähneln denen des Homo habilis. Seine Schultern wirken jedoch urtümlicher und gleichen eher denen von Menschenaffen. Auch die Hände des neuen Frühmenschen waren ungewöhnlich: "Überraschenderweise sind die Finger von Homo naledi stärker gebogen als die der meisten anderen frühen Homininen, berichtet Co-Autor Tracy Kivell vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. Ihm zufolge deutet dies darauf hin, dass er ein guter Kletterer war, aber die   Handform spricht ebenso dafür, dass Homo naledi bereits Werkzeuge benutzt haben könnte. Erstaunlich modern sind auch die Beine und Füße, zeigten die Untersuchungen: Sie ähneln stark denen des modernen Menschen. "Die Kombination der anatomischen Eigenschaften von Homo naledi unterscheidet ihn von allen bisher bekannten Menschenarten", resümiert Berger.

Wurden sie bestattet?

Doch die Begeisterung der Forscher rundet noch ein weiterer Aspekt ab: Die Lage der Skelette. Nichts deutet nämlich darauf hin, dass Tiere oder natürliche Prozesse die Skelette in die Kammer transportiert haben könnten. "Wir sind zahlreiche Szenarien durchgegangen: beispielsweise ein Massensterben, ein unbekanntes Raubtier, der Transport von einem anderen Ort in die Kammer durch Wasser oder der Unfalltod in einer Todesfalle", sagt Berger. "Nachdem wir alle anderen Möglichkeiten ausgeschlossen hatten, blieb uns als plausibelste Variante nur die gezielte Ablegung der Toten durch Homo naledi." Hawks ergänzt: "Solch eine Situation ist im Fossilbericht des Menschen einmalig".

Die Forscher hoffen nun auf weitere Entdeckungen in der Rising Star Höhle, die mehr Licht in die Fragen rund um den neuen Frühmenschen bringen könnten. "Diese Kammer hat noch nicht all ihre Geheimnisse preisgegeben", sagt Berger. "Es befinden sich dort unten möglicherweise noch hunderte, wenn nicht sogar tausende Überreste von Homo naledi", so der Anthropologe.

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