Gen-Spuren eines „Back to Africa"

Blick aus der Mota-Höhle im Hochland Äthiopiens. Credit: Kathryn and John Arthur

Die Wiege der Menschheit stand in Afrika, heißt es: Der sogenannten Out-of-Africa-Theorie zufolge breitete sich der Mensch einst vom schwarzen Kontinent nach Eurasien aus. Doch es gab auch ein „Back to Africa" und zwar deutlich intensiver als bisher angenommen. Das belegt die Genomanalyse eines Afrikaners, der vor der mysteriösen Einwanderungswelle im heutigen Äthiopien gelebt hat. Den genetischen Vergleichen zufolge wanderte vor rund 3.000 Jahren eine Menschengruppe aus dem westlichen Eurasien in das Horn von Afrika ein. Ihr Erbgut verbreitete sich anschließend in alle Ecken Afrikas: Die Einwanderer bilden mindestens fünf Prozent der Vorfahren der heutigen Bevölkerung.

Es war schon früher bekannt, dass Afrika in seiner Geschichte nicht nur ein Auswanderungsgebiet war, sondern dass es auch Rückwanderungsbewegungen aus Eurasien gegeben haben muss. Doch das Ausmaß dieser Strömungen blieb fraglich, da es kaum verlässliche Daten gab. Frühere Studien zur genetischen Geschichte Afrikas basierten auf Erbgutanalysen heutiger Bevölkerungsgruppen mit dem Versuch, moderne Einflüsse herauszufiltern – allerdings mit begrenztem Erfolg. Wie die Genomrekonstruktion des Neandertalers gezeigt hat, ist man heute allerdings auch in der Lage, Erbgut aus Fossilien zu gewinnen und zu analysieren. Doch dabei spielt die Qualität der Funde eine Rolle. In der Hitze Afrikas hat kaum verwertbares Material die Jahrtausende überdauert.

Der Mota-Mann gibt sein Erbgut preis

Die Forscher um Andrea Manica von der University of Cambridge berichten nun allerdings von einer spektakulären Ausnahme: Es gelang ihnen, den Überresten eines Mannes das Erbgut zu entlocken, der vor 4.500 Jahren in der sogenannten Mota-Höhle im Hochland Äthiopiens bestattet worden war. Dieser Begräbnisort war offenbar kühl und trocken genug, um die DNA vor dem Zerfall zu schützen. Das Genom dieses sogenannten Mota-Mannes weist ihn eindeutig als einen Vorfahren der Menschen aus, die noch heute in dem Gebiet leben. Ihm fehlten allerdings noch deren genetische Merkmale, die den Forschern zufolge Einwanderer vermutlich vor etwa 3.000 Jahren in dieses Gebiet brachten. Die genetischen Vergleiche zeigten, dass die Menschen Ostafrikas zu etwa 25 Prozent von diesen Einwanderern abstammen und dass sie schließlich auch einen Teil der Vorfahren der restlichen Bevölkerungsgruppen Afrikas bildeten: Sie tragen mindestens fünf Prozent des Erbguts der Einwanderer.

Heutige Afrikaner sind teilweise Eurasier

Weitere Erbgutvergleiche zeigten, dass diese Einwanderer aus dem Bereich Anatoliens beziehungsweise des Nahen Ostens ins Horn von Afrika eingewandert waren. Sie entstammten der gleichen Bevölkerungsgruppe, die etwa 4.000 Jahre zuvor auch nach Europa eingewandert war und dort die Landwirtschaft verbreitet hat, sagen die Forscher. Warum sie sich etwa 3.000 Jahre später auf den Weg zum Horn Afrikas machten und wer sie genau waren, bleibt bisher ein Mysterium. Ihre Ankunft muss allerdings ein großes Ereignis gewesen sein. „Grob gesagt, entsprach die Zahl der Einwanderer wahrscheinlich etwa 30 Prozent der ansässigen Bevölkerung", sagt Manica. Es gibt auch archäologische Hinweise darauf, dass dies mit einem kulturellen Wandel am Horn Afrikas einherging: Der  Anbau von Weizen und Gerste hielt zu dieser Zeit dort Einzug, belegen archäologische Funde.

Die Forscher hoffen, dass in Zukunft noch weitere Erkenntnisse durch die Sequenzierung alter Genome Licht ins Dunkel der menschlichen Geschichte bringen werden. „Die Sequenzierung alter Genome ist noch so neu, aber verändert bereits die Sicht auf die menschlichen Ursprünge. Diese neuen Techniken werden sich nun weiterentwickeln, so dass wir ein immer besseres Verständnis darüber gewinnen können, wer unsere Ahnen waren", sagt Manica.

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