Flotte Pioniere

 Funde aus der ?Höhle der Affen? in Laos. Credit: Univ. Illinois/Urbana Champaign, Laura Shackelford)
Funde aus der ?Höhle der Affen? in Laos. Credit: Univ. Illinois/Urbana Champaign, Laura Shackelford)
Nachdem er seine afrikanische Heimat verlassen hatte, gelangte der moderne Mensch früher nach Südostasien als bisher angenommen. Das legen nun zumindest Untersuchungen fossiler Schädelfragmente aus einer Höhle in Laos nahe. Den Datierungen zufolge sind die Knochenstücke bis zu 63.000 Jahre alt und weisen die Merkmale eins anatomisch modernen Menschen auf, berichten Laura Shackelford von der University of Illinois und ihre Kollegen. Die ältesten sicher datierten bisherigen Funde moderner Menschen aus der Region sind etwa 40.000 Jahre alt.
Die Forscher hatten die Schädelknochen bereits im Jahr 2009 in der ?Höhle der Affen? im Norden von Laos entdeckt. Vermutlich sei der Mensch, dem sie einst gehörten, aber nicht in der Höhle gestorben oder begraben worden, sondern seine Überreste wurden durch Wasser dorthin getragen. Darauf weise die klare Schichtstruktur der Sedimente am Fundort hin, sagen die Forscher. In 2,35 Meter Tiefe stießen sie hier auf ein menschliches Schädeldach und einen Oberkiefer mit beinahe vollständiger Bezahnung.

Uralte Knochen mit modernen Eigenschaften

Die anatomischen Eigenschaften der Knochenfragmente wiesen sie eindeutig dem modernen Menschen zu, berichten Laura Shackelford und ihre Kollegen. Es fehlt beispielsweise der ausgeprägte Überaugenwulst, der für archaische Menschenformen typisch war. Die Datierung mittels der Uran-Thorium-Methode ergab schließlich ein Alter von 46.000 bis 63.000 Jahren. Das den Fund umgebende Sediment erwies sich dagegen als etwas jünger: Lumineszenzdatierungen belegten ein Alter von 46.000 bis 51.000 Jahren. Den Forschern zufolge passt das plausibel zu der Annahme, dass die menschlichen Überreste erst einige Zeit außerhalb der Höhle lagen und dann später hinein gespült wurden.

Sollten sich die Altersbestimmungen bestätigten, würde das die Knochen zum frühesten Nachweis des modernen Menschen in Südostasien machen. Die ältesten bisherigen Spuren, die sich ähnlich sicher dem modernen Homo sapiens zuordnen ließen, sind nur 40.000 Jahre alt. Den Forschern zufolge handelt es sich bei dem neuen Fund vermutlich um Reste eines Vertreters der ersten Auswanderungswelle moderner Menschen aus Afrika. Sie besiedelten letztendlich sogar Australien und gelten als die direkten Vorfahren der Aborigines. ?Bei ihrer Ausbreitung über die Erde hatten sie Südostasien also bereits weit früher erreicht als bisher gedacht?, resümiert Laura Shackelford.
Alain Robichon (Institut Sophia Agrobiotech in Sophia Antipolis) et al.: Scientific Reports, doi:10.1038/srep00579

© wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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