Mysteriöser Misch-Urmensch

 Künstlerische Rekonstruktion eines Urmenschen anhand der Untersuchungsergebnisse. Credit: Peter Schouten
Künstlerische Rekonstruktion eines Urmenschen anhand der Untersuchungsergebnisse. Credit: Peter Schouten
Fossilien aus zwei Höhlen im Südwesten Chinas belegen, dass hier bis zum Ende der letzten Eiszeit Menschen existierten, deren Anatomie eine seltsame Mixtur aus modernen und archaischen Merkmalen aufwies. Die Entdeckung wirft nun neue Fragen über die Besiedlungsgeschichte Asiens auf, sagen die Wissenschaftler um Darren Curnoe von der University of New South Wales.
Den Untersuchungen zufolge stammen die Überreste von mindestens vier Individuen, die vor 14.500 bis 11.500 Jahren gelebt haben. Das bedeutet, sie teilten sich ihren Lebensraum mit modernen Menschen, die dem aktuellen Stand der Forschung zufolge in dieser Zeit bereits dabei waren, erste landwirtschaftliche Kulturen zu entwickeln. "Es könnte sich um eine bislang unbekannten Spezies handeln, die erst ganz am Ende der Eiszeit verschwand", sagt Curnoe, ?oder es waren Nachkommen einer bisher unbekannten und sehr frühen Migration des modernen Menschen aus Afrika, die nicht direkt zu unseren Vorfahren gehören."

Schädelteile und Zähne mit ungewöhnlichen Eigenschaften

Die Überreste von mindestens drei der Individuen waren von chinesischen Archäologen bereits im Jahr 1989 in einer Höhle bei Maludong, in der Nähe der Stadt Mengzi in der Provinz Yunnan, gefunden worden. Das vierte Teilskelett hatte ein chinesischer Geologe schon 1979 in einer Höhle nahe dem Dorf Longlin in der benachbarten Region Guangxi Zhuang entdeckt. Die Funde blieben lange unerforscht, bis sich das australisch-chinesische Team um Curnoe nun ihrer annahm. Die Wissenschaftler führten detaillierte Vermessungen der Schädelteile und Zähne durch und verglichen die Ergebnisse mit Werten heutiger Menschen und bekannter archaischer Menschenformen. Den Analysen zufolge zeichnet die Überreste eine ungewöhnliche Mischung aus archaischen und modernen anatomischen Merkmalen aus. Sie stimmen bei den vier untersuchten Individuen weitgehend überein, woraus die Wissenschaftler schließen, dass sie aus der gleichen Population stammen.

Bisher wurden auf dem ostasiatischen Festland abgesehen von Überresten des modernen Menschen keine Fossilien von Menschenformen entdeckt, die jünger als 100.000 Jahre sind, betonen die Forscher. Eine mögliche Erklärung dafür war bisher, dass hier keine Urmenschen lebten. Die neuen Ergebnisse zeigen nun, dass diese Vorstellung vermutlich falsch ist. "Unsere Entdeckungen repräsentieren vielleicht ein neues Kapitel in der menschlichen Evolutionsgeschichte ? ein asiatisches Kapitel", meint Curnoe.
Darren Curnoe (University of New South Wales) et al.: PLoS ONE doi: 10.1371/journal.pone.0031918

© wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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