Primat im Hintertreffen

Sie sind nicht nur der beste Freund des Menschen, sondern sie verstehen auch dessen Handzeichen ? und zwar besser als Schimpansen. So haben Experimente von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie ergeben, dass die treuen Vierbeiner begreifen, wenn wir auf einen Gegenstand deuten und ihn haben wollen.
Menschenaffen sind genetisch betrachtet die nächsten Verwandten des Menschen. Bei der Kommunikation scheint das jedoch weniger eine Rolle zu spielen als die jahrtausendealte Kameradschaft, die der Mensch mit dem Hund pflegt, hat jetzt eine Studie am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologiein Leipzig ergeben. Darin hatten Forscher mit Hilfe von 20 Schimpansen ( Pan troglodytes) und 32 Hunden verschiedener Rassen ( Canis familiaris) untersucht, inwiefern die Tiere nachvollziehen können, was wir Menschen meinen, wenn wir auf einen bestimmten Gegenstand zeigen.

In einem ansonsten leeren Raum positionierten die Forscher je zwei Gegenstände in einem Abstand von 1,5 Metern. Sie selbst befanden sich nicht im Raum, sondern hinter einer Glasscheibe mit einer Durchreiche. So konnten die Wissenschaftler zwar auf den begehrten Gegenstand deuten, ihn sich aber nicht selbst holen. Im Test selbst zeigten sie dann mit dem Finger auf eines der beiden Objekte und forderten Affe beziehungsweise Hund zusätzlich verbal dazu auf, es ihnen zu bringen.

Dem Fingerzeig folgten sowohl die Hunde als auch die Schimpansen mit ihrem Blick. Es zeigte sich aber, dass die Affen deutlich seltener der Aufforderung Folge leisteten, den Gegenstand zu übergeben. Die Forscher vermuten daher, dass die Schimpansen die Botschaft gar nicht verstanden. Denn Tiere, die grundsätzlich keine Gegenstände überbringen können, wurden von vorneherein von der Studie ausgeschlossen.

Genetische Vererbung

Dass Hunde schneller lernen, welche Intentionen Menschen haben, konnten die Forscher ebenfalls ausschließen: Die Haustiere waren schon ab der ersten Runde des Versuchs deutlich besser als die Schimpansen. Die Wissenschaftler vermuten dahinter eine Anpassung an das Zusammenleben mit den Menschen. Dafür sprechen zwei Ergebnisse: Zum einen übergaben die Hunde das gewünschte Objekt noch häufiger, wenn die Forscher sich nicht hinter der Glasscheibe aufhielten, sondern mit ihnen im Raum waren. Der noch direktere Kontakt ermöglichte den Tieren also noch besser zu verstehen, was der Mensch meinte. Diese Eigenschaft äußere sich auch in der Zusammenarbeit von Mensch und Hund, beispielsweise beim Hüten von Vieh und bei der Jagd, erläutern die Forscher.

Der zweite Hinweis darauf, dass die Domestizierung zu einem verbesserten Verständnis für menschliche Kommunikation geführt hat, sind ähnliche Studien an Wölfen: Die Wildtiere verstanden darin Fingerzeige nicht auf Anhieb, konnten ihre Bedeutung jedoch erlernen.

Allerdings könnte es noch einen weiteren Grund für den Unterschied zwischen Hunden und Schimpansen geben: Hunde sind insgesamt neugieriger und hoffen daher eher darauf, hinter einem an sich uninteressanten Gegenstand doch etwas Spannendes zu entdecken.

Dennoch ist das Ergebnis der Studie überraschend. Denn bisherige Untersuchungen hatten ergeben, dass Primaten durchaus in der Lage sind, zu verstehen, was Artgenossen mit bestimmten Handlungen bezwecken, und ihnen dann beispielsweise das benötigte Handwerkszeug zu reichen. Den Sinn einer direkten menschlichen Kommunikation scheinen sie jedoch nicht zu begreifen. Menschenkinder können das im Alter von etwa 14 Monaten.
Katharina Kirchhofer (Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, Leipzig) et al.: PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0030913

© wissenschaft.de ? Marion Martin


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