Erbgut-Mix in Afrika

Genauso wie Europäer tragen auch Afrikaner kleine Erbgut-Schnipsel urzeitlicher Menschenarten in sich. Das schließen Forscher um Michael Hammer von der University of Arizona aus einer Erbgut-Analyse, bei der sie DNA verschiedener afrikanischer Volksstämme untersuchten. Demnach zeugten moderne Menschen und ihre primitiven Verwandten in der Zeit vor 20.000 bis 60.000 Jahren zahlreiche gemeinsame Nachkommen.
?Der moderne Mensch ist nicht so einzigartig, dass er völlig isoliert von seinen Verwandten lebte?, sagt Hammer. ?Er hat immer Gene mit anderen Menschenarten ausgetauscht. Das ist in der Natur nichts Ungewöhnliches.? Erst im vergangenen Dezember hatte ein Forscherteam um Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie herausgefunden, dass der moderne Mensch sich mehrfach mit dem Neandertaler kreuzte, nachdem er Afrika verlassen hatte. Europäer und Asiaten tragen demnach ein bis vier Prozent Neandertaler-Erbgut in sich. Das schlossen die Forscher aus einem direkten Vergleich von erhalten gebliebener Neandertaler-DNA mit dem Erbgut heutiger Menschen.

Hammer und seine Kollegen mussten einen anderen Weg gehen, um nach archaischen Erbinformationen zu suchen. ?Es gibt keine fossile DNA aus Afrika, die wir mit unserer Erbsubstanz vergleichen könnten?, sagt Hammer. ?Die Neandertaler lebten in kühlen Gegenden, aber in einem tropischen Klima kann die DNA nicht so lange überleben.? Die Forscher führten daher eine statistische Analyse durch, um verdächtige Abschnitte zu identifizieren. Sie untersuchten das Erbgut von 500 Afrikanern aus Ländern südlich der Sahara. Dabei konzentrierten sie sich auf Volksstämme, die heute noch einer traditionellen Lebensweise als Jäger und Sammler nachgehen, darunter auch einige Pygmäen-Völker.

Das Team entdeckte mehrere archaische Gen-Abschnitte. Beim Pygmäen-Volk der Mbuti, die im Kongo leben, tauchte ein solches Muster mit einer Häufigkeit von fast 15 Prozent auf. Im Schnitt hatte das fremde Erbgut aber nur einen Anteil von ein bis zwei Prozent. Der Analyse zufolge lebte die urtümliche Menschengruppe, von denen die fremden Erbinformationen stammen, vermutlich in Zentralafrika. Sie waren viele Hunderttausend Jahre lang von den Vorfahren der modernen Menschen genetisch isoliert, bevor die beiden Gruppen vor 20.000 oder 30.000 Jahren wieder in Kontakt kamen und sich kreuzten.

Der moderne Mensch entwickelte sich vor etwa 200.000 Jahren in Afrika aus dem Homo erectus. Zu dieser Zeit tauchten erstmals Menschen mit dem schlankeren Körperbau und dem größeren Gehirn des modernen Homo sapiens auf. Doch die beiden Arten lebten noch viele zig Jahrtausende nebeneinander her. Viele Individuen hatten sowohl moderne als auch archaische Eigenschaften ? weshalb sich Anthropologen nach wie vor den Kopf darüber zerbrechen, wie viele Arten von Frühmenschen gemeinsam mit dem Homo sapiens in Afrika lebten.
Michael Hammer (University of Arizona, Tucson) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.1109300108

wissenschaft.de - Ute Kehse


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