Geschöpfe der Savanne

 Ostafrikanische Savanne mit lichtem Baumbestand. Credit: Thure Cerling, University of Utah.
Ostafrikanische Savanne mit lichtem Baumbestand. Credit: Thure Cerling, University of Utah.
Stand die Wiege der Menschheit im Schatten dichter Wälder oder unter den Akazien der Savanne? - Wie der Lebensraum unserer frühen Vorfahren einst aussah und welchen Einfluss er auf die menschliche Evolution hatte, ist eine viel diskutierte Frage unter Anthropologen. Ein internationales Forscherteam hat nun durch Untersuchungen fossiler Böden neue Einblicke in die strukturellen Veränderungen der ostafrikanischen Landschaften in den vergangenen sechs Millionen Jahren gewonnen. Am Beginn dieses Zeitraums vermuten Experten die Aufspaltung der Abstammungslinien von Menschenvorfahren und den Urahnen der Menschenaffen. Den Analysen der Forscher zufolge war das Umfeld dieser Auftrennung und auch der weiteren Entwicklungsgeschichte unserer Vorfahren von Savannen geprägt: offenen Graslandschaften mit lichtem Baumbestand, ähnlich wie sie auch heute noch in vielen Teilen Ostafrikas zu finden sind.
Die Forscher um Thure Cerling von der University of Utah in Salt Lake City untersuchten für ihre Studie 1.300 Bodenproben aus dem Umfeld von Fundorten menschlicher Vorfahren, beispielsweise aus der Afar-Senke und dem Omo-Turkana Becken. Bestimmte Formen des Kohlenstoffs, sogenannte Isotope, dienten dabei als Anhaltspunkte für den einstigen Pflanzenbewuchs. Die typischen Isotop-Muster von Wäldern, Buschlandschaften und Savannen erhielten die Forscher durch die Auswertung von Bodenproben heutiger Standorte dieser Vegetationsformen.

Der Vergleich mit den fossilen Böden zeigte, dass an den Schauplätzen der menschlichen Evolution die Landschaft in der Regel von weniger als 40 Prozent Baumbedeckung geprägt war ? der typischen Eigenschaft von Savannen. Nur ein Prozent aller Proben ließ auf eine Landschaft schließen, die zu mehr als 70 Prozent von verholzten Pflanzen bedeckt war. Von Wäldern sprechen Experten dagegen erst ab 80 Prozent Baumbedeckung. "In manchen Zeiten war es mal mehr und mal weniger buschig, aber wir fanden keine Spuren dichter Wälder?, sagt Thure Cerling. Vermutlich sei der Baumbestand aber immer ausreichend gewesen, um den menschlichen Vorfahren Schatten, Schutz und Nahrung zu liefern.

"Viele Wissenschaftler glaubten bisher, dass vor zwei Millionen Jahren weite Teile Ostafrikas noch bewaldet waren und erst danach die Savannen zur vorherrschenden Landschaftsform avancierten?, sagt Cerling. "Unsere Studie zeigt aber, dass während der Entwicklung des aufrechten Gangs - vermutlich vor etwa vier Millionen Jahren - bereits offene Landschaften vorherrschten.?
Thure Cerling (University of Utah) et al.: Nature, DOI: 10.1038/nature10306

wissenschaft.de - Martin Vieweg


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