Schau mir in die Augen, Kleines!

Wer vom Licht ins Dunkle tritt, muss einen Moment warten, bis seine Augen sich auf die neuen Verhältnisse eingestellt haben. Jetzt haben Wissenschaftler der Universität Oxford herausgefunden, dass Menschen in Regionen mit langen Wintern und kurzen Tagen ihre Augen dauerhaft an diese Verhältnisse angepasst haben: Ihre Augäpfel sind größer.
Mit zunehmender nördlicher beziehungsweise südlicher Breite nehmen die absolute Sonnenscheindauer und die absolute Tageslänge ab, und die Winter sind nicht nur kälter, sondern auch länger. In der Nähe des Äquators dagegen sind die Tage deutlich länger, die Sonne scheint intensiver. Das britisches Forscherduo hat nun untersucht, ob diese unterschiedlichen Bedingungen Auswirkungen auf das menschliche Auge haben.

Dazu verglichen sie die Größe des Gehirns und der Augenhöhlen ? welche einen Rückschluss auf die Größe der Augäpfel zulassen ? von 55 Schädeln aus zwölf verschiedenen Regionen der Erde, die aus dem 18. Jahrhundert stammen. Zudem verglichen sie diese Daten mit der Herkunft nach Breitengraden und den jeweils dort herrschenden Lichtverhältnissen. In die Berechnung der Lichtverhältnisse flossen die absolute Sonnenscheindauer, die abnehmende Tageslänge mit zunehmendem Breitengrad sowie die absolute Länge der Tage ein. Das Ergebnis: Die Menschen haben sich an die dunkleren Bedingungen angepasst. So haben die Schädel aus sehr weit südlich und nördlich gelegenen Gebieten größere Augenhöhlen als die von Menschen, die am Äquator leben.

Eine andere Erklärungsmöglichkeit für diesen Unterschied könnte eine dickere Fettschicht rund um die Augen sein, die als eine Art Kälteschutz dient. Die Wissenschaftler schließen das jedoch aus, ebenso wie die Abstammung aus einer bestimmten Volksgruppe oder den Body-Mass-Index als entscheidenden Faktor. Vielmehr scheint sich dieses Merkmal als wichtige Anpassung erwiesen zu haben ? Menschen mit großen Augen hatten es wahrscheinlich leichter bei der Partnerwahl und konnten sich entsprechend mehr fortpflanzen und ihre Gene weitergeben.
Eiluned Pearce und Robin Dunbar (Universität Oxford, Großbritannien): Royal Society Biology Letters, doi:10.1098/rsbl.2011.0570

wissenschaft.de ? Marion Martin


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