Auf den Spuren der Hominiden

Die Entwicklung des aufrechten Gangs und der typischen Fußform begann wesentlich früher in der Evolution des Menschen als bisher angenommen. Das legen Analysen versteinerter Fußspuren in Tansania nahe, die ein menschlicher Vorfahre einst hinterlassen hat. Sie werden einem Australopithecus afarensis zugeschrieben ? zu dieser Hominidenform gehörte auch die weltbekannte Lucy, deren Skelettreste Anthropologen bereits 1974 entdeckt haben. Frühere Untersuchungen hatten die Entstehung des charakteristischen Fortbewegungsssystems des Menschen auf ein Alter von etwa 1.9 Millionen Jahren datiert. Der aktuellen Studie zufolge lassen die 3.7 Millionen Jahre alten Fußabdrücke am Fundort Laetoli aber bereits auf alle Eigenschaften des modernen Gehens schließen, berichten die Forscher um Robin Crompton von der University of Liverpool.
Die 11 einzelnen Fußabdrücke in Laetoli repräsentieren Experten zufolge die frühesten bekannten Laufspuren menschlicher Vorfahren. Bisherige Untersuchungen hatten es jedoch nicht erlaubt, dem Hominiden, der hier einst durch den matschigen Boden stapfte, einen typisch menschlichen Gang oder eine spezielle Fußform zuzuordnen. Robin Crompton und seinen Kollegen zufolge ist dies allerdings eine Fehlinterpretation. Das Forscherteam verwendete modernere Methoden als zuvor, um die Eigenschaften der Fußspuren erneut zu analysieren. Sie nutzten beispielsweise ein bildgebendes Verfahren, das normalerweise zur Untersuchung des Gehirns eingesetzt wird. So konnten sie dreidimensionale Modelle der 11 Fußspuren erzeugen und mithilfe von Computersimulationen den Gang des Hominiden rekonstruieren. Die Ergebnisse verglichen die Wissenschaftler dann mit Daten und Modellen der Bewegungen und der Fußform des modernen Menschen und von Menschenaffen.

"Zuvor nahm man an, die Spuren stammten von einem Hominiden, der in geduckter Haltung lief und sich mit dem mittleren Teil des Fußes vom Boden abstieß, wie es die heutigen Menschenaffen tun", erläutert Robin Crompton. "Unsere Ergebnisse präsentieren dagegen ein Wesen, das vollständig aufrecht ging, angetrieben vom Druck der Vorderseite des Fußes, insbesondere der großen Zehe. Das entspricht dem Gang des modernen Menschen und ähnelt nicht dem zweibeinigen Gehen beispielsweise eines Schimpansen", so der Wissenschaftler.

Selbst wenn der Hominid von Laetoli bereits mit modernen Füßen und aufrechter Laufweise ausgestattet war, besaß er vermutlich dennoch nicht unser Lauftalent, sagen die Wissenschaftler. Die charakteristischen langen Beine und der kurze Oberkörper des modernen Menschen ermöglichen uns, große Entfernungen zu gehen, selbst wenn wir schwere Lasten tragen. Australopithecus afarensis besaß den Skelettresten zufolge dagegen noch den umgekehrten Körperbau - kurze Beine und einen langen Oberkörper. Diese Eigenschaften erlaubten vermutlich keine langen Wanderungen auf zwei Beinen. "Die spannende Frage bleibt nun, wann unsere Vorfahren erstmals in der Lage waren, zu Fuß lange Distanzen zurückzulegen, um die Welt zu erobern", sagt Crompton.
Robin Crompton von der University of Liverpool et al. : ?J. R. Soc. Interface?, doi:10.1098/rsif.2011.0258

wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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