Afrika ? Heimat aller Sprachen

Die rasche Abnahme der Vielfalt an ?Phonemen? ? der kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheiten einer Sprache ? außerhalb Afrikas stützt die Annahme, dass der anatomisch moderne Mensch ausschließlich in Afrika entstanden ist. Die lautliche Vielfalt ist in den Sprachen Afrikas am höchsten. Am zweithöchsten ist sie in den Sprachen Südostasiens, es folgen Europa, dann Amerika und am Ende Ozeanien. Diese Rangfolge lässt sich am besten durch eine Serie sogenannter Gründereffekte erklären, die bei der Expansion des anatomisch modernen Menschen aus Afrika stattfanden, folgert der Kulturanthropologe Quentin D. Atkinson aus den Ergebnissen seiner Studie an der University of Oxford.
504 Sprachen aus dem World Atlas of Language Structures (WALS), einer linguistischen Datenbank, nahm der gebürtige Neuseeländer Atkinson unter die Lupe. Er untersuchte die Inventare dieser Sprachen an Vokalen, Konsonanten und Tonhöhen. Die Zahl solcher Phoneme setzte er in Bezug zur geographischen Region, wo die jeweiligen Sprecher leben. Nach Ausschluss von störenden Effekten wie etwa Völkerwanderungen in jüngerer Zeit stellte er fest: Die Sprachen mit den meisten Phonemen sind in Afrika zu Hause. Am Ende der Laut-Vielfalt stehen die indigenen Sprachen Südamerikas und Ozeaniens. Dies deckt sich auffällig mit dem Gradienten der genetischen Vielfalt, der ebenfalls von Afrika aus über Asien und Europa nach Amerika und Polynesien abnimmt und die Expansion (?Out of Africa?-Modell) der modernen Menschen widerspiegelt, schreibt Atkinson im Fachblatt ?Science?.

Sowohl der genetische als auch der nun festgestellte linguisti-sche Befund gehen nach Meinung des Autors auf Gründereffekte zurück: Eine Population, die sich ausdehnt, verarmt an ihren Außenrändern ständig an Vielfalt, sie wird genetisch und offenbar auch in ihrem Lautrepertoire gleichförmiger. Mit statistischen Verfahren kann man von den Rändern her zurückrechnen, welche geographische Region am wahrscheinlichs¬ten der Ursprung der Expansionsbewegung war. ?Zentral- und Südafrika könnten entweder die einzige Ursprungsregion der modernen Sprachen darstellen, oder ? in einem Szenario mit mehreren Ursprungsregionen ? die Hauptregion?, meint Atkinson, der gerade einen Lehrauftrag an der University of Auckland in seiner Heimat Neuseeland übernommen hat.

Da somit der Ursprung der modernen Sprachen noch vor dem Exodus aus Afrika vor 70000 bis 50000 Jahren anzusiedeln sei, sollte man diese kulturelle Errungenschaft in einem ganz neuen Licht sehen, findet Atkinson: ?Die modernen Sprachen könnten die Schlüsselinnovation gewesen sein, die die Besiedlung des Planeten durch uns Menschen ermöglicht hat.?
Quentin D. Atkinson (bisher University of Oxford, jetzt University of Auckland, Neuseeland): Science, doi:10.1126/science.1199295

wissenschaft.de ? Thorwald Ewe


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Eine kurzweilige Führung durch den Bienenstock mit einer erhellenden Dosis Wissenschaft – das bietet das Buch "Die Honigfabrik" von Jürgen Tautz.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe