Achillesferse Achillessehne

Der moderne Mensch hat im Überlebenswettkampf mit dem Neandertaler möglicherweise im wahrsten Sinne des Wortes das Rennen gemacht: Der Urmensch war offenbar ein schlechterer Läufer und könnte dadurch beim Überlebenskampf ins Hintertreffen geraten und schließlich ausgestorben sein. Das schließen US-Forscher aus Vergleichen der Fußanatomie von modernen Menschen und Neandertalerüberresten. Der Schwachpunkt des Urmenschen war demnach die geringere Leistungsfähigkeit der Achillessehne. Das sei zwar bei der Jagd auf kurze Distanzen, etwa in Waldgebieten, noch kein großer Nachteil gewesen, sagen die Forscher. Als aber die Wälder während der Eiszeit der offenen Tundra Platz machten, konnte der moderne Mensch durch seinen effizienteren, energiesparenden Laufstil den Neandertaler verdrängen, vermuten sie.
Es gab bereits früher Vermutungen, dass der Neandertaler ein schlechterer Läufer gewesen sein könnte als der moderne Mensch, ein Nachweis für diese These fehlte aber bislang. David Raichlen und seine Kollegen analysierten jetzt den Energieverbrauch von Probanden auf dem Laufband und verglichen diese Ergebnisse mit Untersuchungen der Fußanatomie. Dabei konnten sie zeigen, dass eine kurze Achillessehne vorteilhaft ist: Sie ermöglicht eine größere Speicherung und Freisetzung von elastischer Dehnungsenergie und damit sozusagen eine Senkung der Energiekosten, erklären die Forscher.

Die Untersuchung der Fußgelenke von Neandertalerfossilien zeigte dann einen markanten Unterschied zu denen von Homo sapiens: In allen Fällen waren die Abstände bei den Fußknochen, die die Länge der Achillessehne dokumentieren, größer als beim modernen Menschen. Daraus schließen die Forscher, dass der Urmensch weniger ausdauernd war und auch mehr Energie beim Kurzstreckenlauf verbrauchte als sein Konkurrent.

Entstanden ist dieser Unterschied nach Ansicht von Raichlen möglicherweise aufgrund der Jagdweise der beiden Menschenarten: Der moderne Mensch kam nach heutigem Kenntnisstand ursprünglich aus den offenen Graslandschaften Afrikas, wo er bei der Jagd große Strecken in einem warmen Klima zurücklegen musste. Der Neandertaler jagte dagegen in den Waldgebieten des Nordens und lauerte dort im Hinterhalt auf Beute, die er in der Kurzdistanz erlegen konnte.

Archäologische Funde zeigen, dass vor etwa 50.000 Jahren die Wälder Europas der offenen Tundra Platz machten. Für die Jagd In diesen Graslandschaften war der moderne Mensch dank seines Lauftalents vermutlich besser gerüstet. Dadurch verdrängte er möglicherweise den Neandertaler in die letzten Wald Refugien im südlichen Europa, so die Vermutung der Forscher. Von hier stammen auch die letzten Spuren unseres menschlichen Vetters, der dann schließlich vor etwa 30.000 Jahren - aus bisher ungeklärter Ursache - völlig verschwand.
David Raichlen (University of Arizona, Tucson) et al.: Journal of Human Evolution, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.jhevol.2010.11.002

dapd/wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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