Was den Hund zum Hund machte

 Guten Appetit! - Während Hunde Stärke relativ gut verdauen können, würden Wölfe ein Steak vorziehen. Bild: Lauren Solomon, iStockphoto, Nicholas Moore
Guten Appetit! - Während Hunde Stärke relativ gut verdauen können, würden Wölfe ein Steak vorziehen. Bild: Lauren Solomon, iStockphoto, Nicholas Moore
Sie gelten als genetisch fast identisch: der wilde Wolf und der handzahme Haushund. Schwedische Forscher haben sich jetzt noch einmal intensiv mit den Genen der beiden Varianten von Canis lupus auseinandergesetzt und nach dem gesucht, was den Hund eigentlich zum Hund gemacht hat. Ergebnis: Der Mensch verdankt seinen besten Freund offensichtlich einer Veränderung von dessen Gehirnentwicklung – und einer Erweiterung seines Speiseplans.
Der Hund, beziehungsweise damals noch der Wolf, gehörte zu den ersten Tieren, die der Mensch domestiziert hat. Wann und wo das genau stattfand, ist etwas unklar. Es gibt beispielsweise einen 33.000 Jahre alten Fund aus dem heutigen Sibirien, der nahelegt, dass es schon damals hundeartige Tiere in der Nähe menschlicher Behausungen gegeben haben könnte. Etwas besser belegt ist das Vorkommen von Hunden vor 11.000 bis 12.000 Jahren: Aus dieser Zeit stammen Gräber, in denen offenbar Menschen gemeinsam mit Hunden bestattet wurden. Auf eine ähnliche Zeit deuten auch genetische Analysen hin: Sie zeigen, dass die Hunde vor mindestens 10.000 Jahren domestiziert wurden – entweder im Mittleren Osten oder in Ostasien, möglicherweise auch an mehreren Orten gleichzeitig.

Mit der Landwirtschaft kamen die Hunde

Damit fällt die Annäherung von Mensch und Wolf etwa in die Zeit, als der Mensch begann, sesshaft zu werden und gezielt Pflanzen als Nahrung anzubauen. Und auch wenn bisher unklar ist, warum genau die Wölfe domestiziert wurden, legt diese Übereinstimmung ein bestimmtes Szenario nahe: Möglicherweise wurden die Wölfe durch das reiche Nahrungsangebot der Siedlungen, zum Beispiel in Form der Abfallhaufen, angezogen. Die Menschen begannen dann, die herumstreunenden Tiere zum Jagen oder auch als Wächter zu nutzen und sie gezielt so zu züchten, dass sich bestimmte Eigenschaften bei ihnen verstärkten und andere, wie etwa die Aggressivität, zurückgingen.

Im Lauf dieses Prozesses veränderte sich auch das Erbgut der Tiere, zeigt die Analyse der Forscher nun – auch wenn es sich bis heute nur an wenigen Stellen tatsächlich von dem des Wolfs unterscheidet. Sie hatten genetisches Material von zwölf Wölfen aus aller Welt mit dem von 60 Hunden, die 14 verschiedenen Rassen angehörten verglichen. Dabei fanden sie 36 Regionen, die sich beim Hund gegenüber dem Wolf verändert haben. Besonders interessant dabei: Darunter waren auch zehn Erbgutabschnitte, die es den Hunden im Laufe ihrer Domestikation ermöglichten, Stärke immer besser und schneller zu verdauen. Vor allem drei Enzyme, die fürs Spalten und Umwandeln von Stärke notwendig sind, kommen beim Hund in deutlich größeren Mengen und mit höherer Aktivität vor als beim Wolf.

Kraftfutter statt Fleischdiät

Diese Veränderung kam den Tieren in ihrem neuen Lebensraum in der Nähe der Menschen vermutlich sehr zugute, erläutern die Forscher, denn dort war das Angebot an stärkehaltigem Futter schließlich relativ groß. Eine ähnliche Entwicklung gab es in der gleichen Zeit übrigens auch beim Menschen, so dass man hier von einem Paradebeispiel für eine parallele Evolution als Reaktion auf veränderte Umweltbedingungen sprechen könne, resümieren die Wissenschaftler.

Bei der Analyse der Hundegene fanden die Wissenschaftler zudem 27 weitere Veränderungen gegenüber dem Wolf. Diese Bereiche steuern vor allem die Hirnfunktion und die Entwicklung des Nervensystems. Sie halten es für wahrscheinlich, dass die Umbauten in diesen Regionen den Verhaltensänderungen zugrunde liegen, die bei den Wölfen während der Anpassung an den Menschen auftraten. Dass sich die frühen Hunde zudem körperlich veränderten, könnte nach Ansicht der Forscher ebenfalls auf die für die Entwicklung zuständigen Gene zurückgehen.
Erik Axelsson (Uppsala University) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1038/nature11837

© wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel


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