Brainfood für Steinzeitmenschen

 Die Ausgrabungen am Turkana-See, dem größten Binnengewässer Kenias, liefern Hinweise auf das Nahrungsspektrum früher Menschen.
Die Ausgrabungen am Turkana-See, dem größten Binnengewässer Kenias, liefern Hinweise auf das Nahrungsspektrum früher Menschen.
Das Nahrungsspektrum früher Menschenarten vor Homo ergaster und Homo erectus war sehr viel breiter als bisher bekannt. Hierfür hat jetzt ein internationales Forscherteam durch neue Ausgrabungen am Turkana-See in Kenia eindeutige Beweise geliefert. An der Fundstelle Koobi Fora stießen sie auf eine große Ansammlung von Steinwerkzeugen, die auf ein Alter von 1,95 Millionen Jahren datiert werden können. Daneben fanden sich nicht nur zahlreiche Überreste von Land-, sondern auch von Wassertieren ? Fische, Schildkröten und sogar Krokodile. Die wertvollen Nährstoffe aus dem Fleisch der aquatischen Lebewesen könnten eine entscheidende Komponente für das beschleunigte Wachstum und die Evolution des menschlichen Gehirns gewesen sein, berichten die Wissenschaftler um David Braun vom archäologischen Institut der Universität Kapstadt.
Die Herstellung und Verwendung von Steinwerkzeugen gilt als Meilenstein im frühmenschlichen Verhalten. Sie ist eine Schlüsseltechnik für die menschliche Evolution und steht im unmittelbaren Zusammenhang mit veränderten Ernährungsmöglichkeiten und damit dem Wachstum des Gehirns. Bisher war allerdings wenig bekannt über die Nahrungsquellen Frühmenschen vor Homo ergaster und Homo erectus. Funde von Steinwerkzeugen und Knochen, die Zeichen menschlicher Bearbeitung aufweisen, sind deshalb die wichtigsten Anhaltspunkte für das Verständnis des Nahrungserwerbs im späten Pliozän und frühen Pleistozän. Die Region um den Turkana-See im nördlichen Kenia ist ein Hotspot der paläoanthropologischen Forschung, dennoch überraschen die aktuellen Funde des internationalen Forscherteams um David Braun vom archäologischen Institut der Universität Kapstadt: Sie sind der bislang älteste Beweis für die Verwendung im Wasser lebender Tiere als frühmenschliche Nahrung. Einmalig ist die neue Fundstätte darüber hinaus schon allein aufgrund der Vielzahl an Überresten von Tieren.

Unter den Fundstücken befinden sich auch Werkzeuge, etwa Fragmente von Speerspitzen, die durch Behauen von Steinen hergestellt wurden, und Knochen mit Schnittstellen und Einritzungen. Sie deuten darauf hin, dass Urmenschen an dem Fundort sowohl Land- als auch Wassertiere jagten und schlachteten. Unter den Landlebewesen finden sich Impalas, Flusspferde und Rhinozerosse, an Wassertieren erlegten die frühen Vorfahren des Menschen Fische, Schildkröten und Krokodile. Die Jagd auf Wassertiere brachte dabei erhebliche Vorteile mit sich: So dürfte es deutlich energiesparender gewesen sein, eine Schildkröte einzufangen, als einer Impala-Antilope aufzulauern. Des Weiteren ist gerade das Fleisch aquatischer Lebewesen besonders reichhaltig an langkettigen und mehrfach ungesättigten Fettsäuren ? etwa der Omega-3-Fettsäure ? die essenziell wichtig für das Wachstum des menschlichen Gehirns sind. Die neuesten Funde aus Kenia sind deshalb wichtige Indizien, die weiteres Licht auf den Entwicklungsweg des heutigen Homo sapiens werfen und erklären helfen, warum wir wurden, was wir heute sind.
David Braun (Universität Kapstadt) et al.:
PNAS, Onlinevorabveröffentlichung, doi/10.1073/pnas.1002181107

ddp/wissenschaft.de ? Gunnar Henze


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