Auf die Expansion folgt Bürokratie

 In Mesopotamien etablierte das Staatsgebilde Uruk um 3500 vor Christus im eroberten persischen Susa Verwaltungsbezirke und errichtet Verwaltungsgebäude ? eine Folge der Expansion des Staates.
In Mesopotamien etablierte das Staatsgebilde Uruk um 3500 vor Christus im eroberten persischen Susa Verwaltungsbezirke und errichtet Verwaltungsgebäude ? eine Folge der Expansion des Staates.
Die Ausbildung der ersten staatlichen Strukturen in den Weltkulturen hängt eng zusammen mit der Expansion von Stammesfürstentümern: Sowie sich die politisch-wirtschaftliche Kontrolle eine Tagesreise weit über das Ursprungsgebiet hinaus erstreckte, entstand Bürokratie. Diesen Zusammenhang hat ein US-Wissenschaftler durch den Vergleich von sechs frühen Staatsgebilden in Asien, Südamerika und Afrika herausgefunden. Ein Stammesterritorium erstreckt sich typischerweise über ein Gebiet, das einen Radius von 30 Kilometern um die zentrale Autorität schlägt. Dehnt sich die Macht weiter aus, entwickelt sich eine differenzierte interne Administration, wie die Expansionen von Uruk in Mesopotamien oder Monte Albán in Mexiko belegen.
"Expandiert ein stammespolitisches Gebilde mindestens über die Entfernung eine Tagesreise vom Zentrum hinaus, muss die Mobilisierung von Ressourcen und die Delegation von Macht organisiert werden", schreibt der Wissenschaftler. In einem Staat verteile sich dann der zentrale Entscheidungsprozess auf unterschiedliche Funktionen, wodurch eine Hierarchie von Verwaltungsspezialisten entstehe. Entsprechend finden sich auch in den eroberten Gebieten Verwaltungsgebäude und die gleichen Waren wie im Machtzentrum.

Überprüft hat Spencer sein Territorialexpansions-Modell an sechs Staaten. So etabliert das mesopotamische Staatsgebilde Uruk nach 3500 vor Christus im eroberten persischen Susa Verwaltungsbezirke und errichtet Verwaltungsgebäude, bei denen sich Keramik aus Uruk findet. Der erste Staat auf heutigem chinesischen Gebiet bildet sich aus, als die Siedlung Erlitou um 1800 vor Christus ihre Macht um 100 Kilometer ausdehnt: In den 15 umliegenden Siedlungen taucht plötzlich eine identische Materialkultur auf. Die Verfeinerung der Verwaltung und der Landwirtschaftsplanung lässt sich auch im Indus-Gebiet anhand der Harappa-Staatsbildung ab 2600 vor Christus feststellen, als Grenzen um die Distanz von einer Tagesreise vom Zentrum hinausgeschoben wurden.Und in Mexiko beginnt ab 300 vor Christus Monte Albán mit der Eroberung der Nachbarsiedlungen in der Entfernung von zwei Tagesreisen, zeitgleich entstehen charakteristische Paläste und Tempel als Zeichen der staatspolitischen Differenzierung. Auch in Peru und Ägypten weist der Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen Expansion und dem Aufbau von staatlichen Organisationsstrukturen anhand archäologischer Befunde nach.

"Die Führung eines expandierenden Staatsgebildes ist gezwungen, eine interne administrative Spezialisierung zu entwickeln, begleitet von der teilweisen Abgabe von Autorität an die Funktionäre in Außenposten", schreibt Spencer. Finanziert wurde die Bürokratisierung durch die Erschließung neuer Ressourcen, die aus dem Tribut der eroberten Gebiete oder dem höheren Handelsaufkommen stammten.
Charles Spencer (American Museum of Natural History, New York): PNAS, doi: 10.1073/pnas.1002470107

ddp/wissenschaft.de - Rochus Rademacher


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