Ur-Grönländer war braunäugig

 Zeichnung eines Saqqaq-Kulturangehörigen auf Basis der Genanalyse: Die Erstbesiedler Grönlands lebten vor 5500 Jahren und sind heute ausgestorben. Bild: Nuka Godfredtsen
Zeichnung eines Saqqaq-Kulturangehörigen auf Basis der Genanalyse: Die Erstbesiedler Grönlands lebten vor 5500 Jahren und sind heute ausgestorben. Bild: Nuka Godfredtsen
Vor rund 5500 Jahren ließen sich die ersten Menschen in Grönland nieder: Sie wanderten von Asien über die zu diesem Zeitpunkt schon mit Meer bedeckte Beringstraße auf den amerikanischen Kontinent ein. Präzise Hinweise über diese bisher unbekannte Migrationswelle liefert nun ein internationales Forscherteam, das die Gensequenz eines Mitglieds der so genannten Saqqaq-Kultur analysiert hat. Über diese längst ausgestorbenen Paläo-Eskimos, die im äußersten Norden Amerikas lebten, war bisher nur sehr wenig bekannt. Mit den nun vorhandenen Daten lassen sich sogar Augen- und Hautfarbe bestimmen. Erstmals in der Geschichte der Genforschung sei es gelungen, das komplette Genom eines Menschen zu entschlüsseln, der einer längst ausgestorbenen Kultur angehört, erklärten die Wissenschaftler.
Bisher wurden in Grönland zwar kulturelle Artefakte der Saqqaq gefunden, die nur wenig über die Paläo-Eskimos verrieten. Die Forscher untersuchten nun Haarbüschel eines Saqqaq-Mannes aus dem westlichen Grönland in Qeqertasussuk, die im Permafrostboden konserviert waren. Dazu entschlüsselten sie die einzelnen Basenpaare des Erbguts. Dank der Genanalyse konnten die Wissenschaftler nun sogar Aussagen über die physischen Eigenschaften des "Inuk" genannten Menschens treffen: Er hatte braune Augen sowie eine relativ dunkle Haut und lebte vor rund 4000 Jahren. Mit einer Isotopenanalyse entdeckten sie zudem, dass er sich vor allem von Meerestieren ernährte.

Um die nächsten noch lebenden Verwandten der Saqqaq zu ermitteln, verglichen die Wissenschaftler die Gensequenz von Inuk mit Genomen moderner Menschen. Dabei entdeckten sie, dass die grönländischen Jungsteinzeit-Menschen keine Vorfahren der heutigen Urbevölkerung Amerikas und der Inuit sind. Verwandt sind sie vielmehr mit zeitgenössischen Menschen im Nordosten Sibiriens: Die Saqqaq verließen Sibirien wohl erst einige tausend Jahre, nachdem die Vorfahren der amerikanischen Urbevölkerung und der Inuit die Beringstraße in gleicher Richtung überquert hatten. "Dass das Land im Süden schon besiedelt war, könnte einer der Gründe sein, weshalb die Saqqaq in den unwirtlichen Norden Amerikas zogen", erklärt Willerslev.

Gen-Untersuchungen bei jahrtausendalten Menschen bereiten häufig Probleme, schreiben die Forscher: Wenn die DNS-Stränge nach dem Tod beschädigt worden sind, liefert die Analyse falsche Ergebnisse. Außerdem bestehe die Gefahr, dass bei der Untersuchung oder auch schon beim Fund menschlicher Überreste die altertümliche DNS mit moderner vermischt werde. Im Fall von Inuk sind die Genproben jedoch sehr gut erhalten: Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass weniger als ein Prozent der Gene fehlerhaft ist.
Eske Willerslev (Universität Kopenhagen) et al.: Nature, doi:10.1038/nature08835


ddp/wissenschaft.de ? Regula Brassel


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