Auch Ur-Europäer waren handwerklich begabt

 Ein Exemplar der in Spanien gefundenen Werkzeuge. Bild: Michael Walker
Ein Exemplar der in Spanien gefundenen Werkzeuge. Bild: Michael Walker
Gekonnt bearbeitete Faustkeile gab es in Europa deutlich früher, als Wissenschaftler bisher dachten. So wurden bereits vor 900.000 Jahren im heutigen Spanien Steinwerkzeuge verwendet, sagen amerikanische Forscher nach einer Datierung von Werkzeugen aus zwei Fundstellen im Südosten Spaniens. Bisher waren Steinwerkzeuge dieses Alters nur aus Afrika, dem Nahen Osten und Asien bekannt.
Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie die magnetischen Eigenschaften behauener Steinwerkzeuge, die an den beiden zwischen Granada und Murcia gelegenen Fundstellen entdeckt worden waren. Durch den Vergleich der magnetischen Ausrichtung feiner Strukturen im Material mit Daten aus der Untersuchung bekannter Gesteinsformationen konnten Scott und Gibert die Fundstücke zeitlich einordnen. In die Auswertung flossen zudem Daten aus fossilen Tierknochen ein, die an den beiden Fundstellen entdeckt worden waren. Auf diese Weise kamen die Forscher bei der einen Fundstelle auf ein Alter von 760.000 Jahren, bei der zweiten sogar auf 900.000 Jahre.

Damit nutzten die frühen Menschen in Europa schon deutlich früher behauene Steinwerkzeuge als bisher gedacht. Die meisten frühen Funde solcher Werkzeuge stammen aus Afrika, wo bereits vor rund 1,5 Millionen Jahren behauene Steinklingen eingesetzt wurden. Die ältesten bisher bekannten Werkzeuge in Europa waren hingegen rund 500.000 Jahre alt. Anthropologen hatten daher gerätselt, ob hinter dieser Lücke von einer Million Jahren eine Verzögerung der Entwicklung der frühen europäischen Menschen stehen könnte. Die Ergebnisse zeigten nun jedoch, dass die Entwicklungsunterschiede zwischen Afrika und Europa in dieser Zeit doch geringer waren und es wohl durchaus einem Transfer von Afrika nach Europa gegeben haben könnte.
Gary Scott und Luis Gibert (Geochronology Center in Berkeley): Nature (doi: 10.1038/nature08214).

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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