Diagnose: Lebensmittelvergiftung

 Schon der Australopithecus africanus litt vermutlich unter der Infektionskrankheit Brucellose. Bild: José Manuel Benito Álvarez, Wikipedia
Schon der Australopithecus africanus litt vermutlich unter der Infektionskrankheit Brucellose. Bild: José Manuel Benito Álvarez, Wikipedia
Schon die Urahnen des Menschen litten unter Lebensmittelvergiftungen: Ein italienisch-südafrikanisches Forscherteam hat anhand von Spuren an Lendenwirbeln eines Australopithecus-Skelettes aus dem südafrikanischen Sterkfontein Brucellose diagnostiziert. Da diese Infektionskrankheit heute durch Fleisch oder Milchprodukte übertragen wird, folgern die Wissenschaftler aus dem Vorkommen bei Australopithecus, dass auch die Vormenschen bereits Fleisch gegessen haben. Die Veränderungen an den Knochen wurden bisher einer Verletzung oder allgemeinen Abnutzungserscheinungen zugeschrieben. Die Knochen könnten somit der erste direkte Nachweis für Fleischkonsum bei einem Vorfahren von Homo sapiens sein.
Die Wirbel gehören zu einem wahrscheinlich männlichen Skelett des sogenannten Australopithecus africanus, wörtlich übersetzt der ?afrikanische Südaffe?, welcher vor zwei bis vier Millionen Jahren im südlichen Afrika lebte. Es wurde schon vor Jahren entdeckt und nun unter anderem mit radiologischen Methoden neu untersucht. Der Befund: Kleine Verletzungen an den Wirbeln sind wahrscheinlich nicht wie bisher angenommen auf allgemeine Alterungserscheinungen oder eine äußere Verletzung zurückzuführen. Ort und Art der Schäden am Knochen sind vielmehr charakteristisch für Brucellose, die durch einen Befall mit Bakterien vom Typ Brucella ausgelöst wird.

Die Krankheit wird durch Konsum von Fleisch oder Milchprodukten auf den Menschen übertragen. Wenn die Wirbel also tatsächlich durch Brucella-Bakterien beschädigt wurden, sind sie der älteste direkte Beweis für Fleischkonsum bei einem Urahnen des Menschen. Bisher konnte man Fleischkonsum nur indirekt über Spuren von Schnittwerkzeugen an Tierknochen nachweisen. Die ältesten bekannten Schnittspuren sind rund 2.5 Millionen Jahre alt. Die bakterienverseuchten Australopithecus-Knochen könnten bis zu 300.000 Jahre älter sein.

Fleischkonsum wird bei den Vor- und Frühmenschen immer wieder mit der Entwicklung eines größeren Gehirns in Zusammenhang gebracht. Das menschliche Gehirn ist immerhin dreimal so groß wie das des Schimpansen. Um ein Organ solcher Dimensionen aufzubauen, muss ein sehr großer und kontinuierlicher Protein- und Energienachschub durch die Nahrung gewährleistet sein, und das geht nur mit Fleisch. Tiere können auf systematische Weise nur durch Jagd erlegt werden, was wiederum komplexes Denken, also ein größeres Gehirn voraussetzt. Wie beim Huhn und dem Ei ist nicht ganz einfach zu klären, was zuerst war ? Fleischkonsum oder Gehirnwachstum. Anthropologen gehen aber davon aus, dass am Anfang zumindest gelegentlicher Fleischkonsum gestanden haben muss, da ohne diesen das Gehirn aus rein physiologischen Gründen nicht an Volumen zunehmen konnte. Die Ergebnisse von Ruggero D?Anastasio und seinen Kollegen liefern wichtige Resultate für eine genauere Datierung der ersten tierischen Mahlzeiten von menschlichen Vorfahren.
Ruggero D'Anastasio (Universität Chieti) et al.: PLoS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0006439

ddp/wissenschaft.de ? Martina Bisculm


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