Auch Affen bekommen Aids

 Schimpansen erkranken an SIV, einem Virus das dem HI-Virus des Menschen ähnlich ist. Foto: Michael L. Wilson
Schimpansen erkranken an SIV, einem Virus das dem HI-Virus des Menschen ähnlich ist. Foto: Michael L. Wilson
Auch Schimpansen können Symptome der Krankheit Aids entwickeln, haben Wissenschaftler eines internationalen Forscherteams herausgefunden. Die Krankheit wird bei Schimpansen durch Infektionen mit dem SI-Virus, dem Vorläufervirus des menschlichen HI-Virus, ausgelöst. Viele afrikanische Primaten sind natürlicherweise mit über 40 verschiedenen Typen des SI-Virus infiziert. Im Gegensatz zum HI-Virus führt das SI-Virus bei Primaten aber nicht zwingend zum Ausbruch einer Krankheit, nahmen Wissenschaftler bisher an. Das Virus galt für Primaten bisher als weitgehend ungefährlich.
Seit neun Jahren verfolgt eine internationale Gemeinschaft von Wissenschaftlern die SIV-Infektionsrate von 94 freilebenden Schimpansen aus dem Gombe-National-Park in Tansania. Aus Kotproben konnten die Wissenschaftler bestimmen, welche Tiere schon zu Beginn der Studie infiziert waren und welche das Virus im Verlauf der Studie erworben hatten. Zu jedem Zeitpunkt der Studie trugen zwischen zehn und zwanzig Prozent der Schimpansen das Virus in sich, sagen die Forscher. Infizierte Tiere zeigten jedoch ein 10- bis 16-mal höheres Risiko, frühzeitig zu sterben, ergab die statistische Auswertung. Außerdem weisen infizierte Weibchen eine niedrigere Geburtenrate auf und ihre Jungen haben ein höheres Risiko, im Kindesalter zu sterben. Auch scheinen infizierte Tiere häufiger unter Schwächen des Abwehrsystems zu leiden, wie sie für den Verlauf der Aids-Erkrankung charakteristisch sind.

Laboruntersuchungen von Forschern der Universität Illinois bestätigten denn auch die Ähnlichkeit des Krankheitsverlaufs zur Aids-Erkrankung beim Menschen. Gewebeproben eines Schimpansenweibchens, das bereits drei Jahre nach der Übertragung des Virus gestorben war, sahen genauso so aus wie diejenigen von Patienten, die an Aids gestorben waren, beschreibt eine Forscherin ihre Beobachtungen. So sei das Lymphgewebe stark zerstört gewesen. Auch trugen Primaten, die das Virus in sich trugen, deutlich weniger von den sogenannten CD4-Zellen, einer Form der weißen Blutkörperchen, die durch HIV infiziert und in der Folge reduziert werden. Der Verlust dieser Zellen beim Menschen ist Kennzeichen einer HIV-Infektion. SIV scheint wie das menschliche HI-Virus nach Ausbruch der Krankheit mit einem starken Verlust an CD4-Zellen, einer Zerstörung des Lymphgewebes und vorzeitigem Tod einherzugehen, folgern die Wissenschaftler.

Obwohl die Anzahl der untersuchten Schimpansen in dieser Studie limitiert war, lassen die Resultate darauf schließen, dass SIV ähnlich dem HI-Virus des Menschen erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit, die Fortpflanzung und die Dauer der Lebensspanne von Schimpansen hat. Nun wollen die Forscher untersuchen, ob das Virus nur für diese in dem Nationalpark lebende Unterart gefährlich ist und ob sich daraus mögliche Konsequenzen für den Schutz dieser Tiere ergeben.
Brandon Keele (Universität von Alabama in Birmingham) et al.: Nature, doi: 10.1038/nature08200

ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Strauch


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Eine kurzweilige Führung durch den Bienenstock mit einer erhellenden Dosis Wissenschaft – das bietet das Buch "Die Honigfabrik" von Jürgen Tautz.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe