Warum Lemuren-Männchen eher schmächtig sind

 Lemuren-Männchen kämpfen auf besondere Art um ihre Weibchen.
Lemuren-Männchen kämpfen auf besondere Art um ihre Weibchen.
Lemuren-Männchen müssen ihre Weibchen nicht unter Einsatz von Leib und Leben verteidigen, um sie vom Fremdgehen abzuhalten: Stattdessen verhindern sie Begattungen durch andere Männchen, indem sie nach der Kopulation einen Pfropfen aus Spermienflüssigkeit in der Vagina des Weibchens hinterlassen. Das hat eine interessante Konsequenz, schließt nun ein amerikanisches Forscherduo aus der Auswertung verschiedener Daten: Die Männchen können sich dank der fehlenden Rivalenkämpfe leisten, kaum größer zu sein als die Weibchen. Damit konnten die Forscher möglicherweise ein Rätsel lösen, das Wissenschaftler seit 20 Jahren beschäftigt ? schließlich ist bei fast allen anderen Primatenarten das Männchen deutlich größer als das Weibchen.
Für Primatenmännchen ist es meistens von Vorteil, groß zu sein, besonders wenn sie wie die Lemuren in sozialen Gemeinschaften leben. Je größer und stärker sie sind, desto besser können sie Rivalen abwehren und desto größere Chancen haben sie, Nachwuchs zu zeugen. Auf die Lemuren Madagaskars trifft dieses Prinzip aber offensichtlich nicht zu: Bei ihnen sind Weibchen und Männchen ungefähr gleich groß. Daher stellte sich lange Zeit die Frage, ob Lemuren gar nicht um die Weibchen kämpfen, so wie dies Gorillas und andere Primaten tun.

Tatsächlich sichern sich auch Lemurenmännchen Weibchen, berichten die Forscher. Sie tun dies allerdings nicht durch Kämpfe mit Rivalen, sondern indem sie die Vagina des Weibchens mit einem Pfropfen verschließen. Dieser Pfropfen besteht aus verdickter Spermienflüssigkeit, die sich sehr schnell verhärtet und ein bis zwei Tage in der Vagina bleibt. Das verhindert, dass auch andere Männchen das Weibchen begatten und so möglicherweise ihr eigenes Erbgut weitergeben. Vermutlich hat sich dieser Mechanismus entwickelt, weil bei vielen Lemurenarten die Weibchen nur ein bis zwei Tage im Jahr empfängnisbereit sind und sich die Chance auf eine erfolgreiche Begattung daher auf eine sehr kurze Zeit beschränkt.

Wenn das Weibchen eine sehr kurze Empfängniszeit hat, ist diese Strategie wahrscheinlich besonders erfolgreich, vermuten die Forscher. Sie testeten ihre Hypothese dann auch bei 62 anderen Primatenarten. Tatsächlich traten Vaginalpfropfen am häufigsten bei Arten auf, bei denen Männchen und Weibchen gleich groß sind und bei denen die Weibchen nur für sehr kurze Zeit empfängnisbereit waren. Neben den Lemurenarten verwenden auch einige andere Primatenarten wie das südamerikanische Totenkopfäffchen diese Strategie.
Amy Dunham und Volker Rudolf (Rice-Universität in Houston): Journal of Evolutionary Biology, doi:10.1111/j.1420-9101.2009.01768.x

ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Strauch


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