Aus Europa nach Afrika und wieder zurück

 Von Anoiapithecus brevirostris sind nur noch Teile des Gesichtsschädels erhalten. Bild: The National Academy of Sciences, PNAS
Von Anoiapithecus brevirostris sind nur noch Teile des Gesichtsschädels erhalten. Bild: The National Academy of Sciences, PNAS
Wissenschaftler haben in Spanien die fossilen Überreste eines möglichen Vor-Vorfahren des Menschen entdeckt. Die Anoiapithecus brevirostris genannte Art hat sich vor rund zwölf Millionen Jahren in Europa entwickelt und wanderte von dort aus nach Afrika ein, wo die Entwicklungslinie der heutigen Menschenaffen und die des modernen Menschen begann, spekulieren die Wissenschaftler um Salvador Moyà-Solà von der Freien Universität in Barcelona. Es sei allerdings auch möglich, dass sich die Vorfahren des Menschen in Afrika parallel zu Anoiapithecus entwickelt hätten, schreiben die Forscher.
Viel erhalten ist von dem affenähnlichen Wesen nicht, dessen Überreste die Forscher in ihrer Studie untersuchten: Lediglich Teile von Gesichtsknochen, Kiefern und Zähnen konnten Wissenschaftler bergen, als sie in sechs Jahren Ausgrabungsarbeit auf einem ursprünglich als Mülldeponie vorgesehenen Gelände in Els Hostalets de Pierola nordwestlich von Barcelona auch die Überreste des Anoiapithecus ans Tageslicht beförderten. Das Alter dieser Funde beziffern die Forscher auf 11,9 Millionen Jahre und damit auf eine Zeit, als sich die Abstammungslinien moderner Affen und des Menschen noch nicht geteilt hatten. Doch die fossilen Zeugen dieser Zeit sind sehr dünn gesät, so dass noch viel Raum zur Spekulation bleibt.

Die Forscher verglichen in ihrer Arbeit nun das Gesichtsprofil von Anoiapithecus mit Strukturen, wie sie von lebenden und verschiedenen ausgestorbenen Arten bekannt sind, und versuchten anhand von Altersbestimmungen, die Art richtig in die Entwicklungslinien einzuordnen. Dabei stießen sie auf Hinweise, nach denen Anoiapithecus von Europa und Asien aus nach Afrika einwanderte und dort die Entwicklungslinien des Menschen und der heutigen afrikanischen Affen begründete. Die alternative Hypothese wäre, dass sich diese Vorfahren des Menschen unabhängig von Anoiapithecus in Afrika entwickelten.

Angesichts der dürftigen Datenlage können sich die Forscher bisher nicht auf eine dieser Varianten festlegen. Möglicherweise stehe hinter der Hypothese der Einwanderung nach Afrika auch nichts anderes als die Tatsache, dass es in Europa viel mehr Ausgrabungen gegeben habe als in Afrika, spekuliert der amerikanische Paläobiologe Jay Kelley in einem Interview mit dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist": Da deshalb in Europa entsprechend mehr Fossilien entdeckt wurden, liege der falsche Schluss nahe, dass hier auch die Ursprünge des Menschen und der Menschenaffen liegen.
Salvador Moyà-Solà (Freie Universität Barcelona) et al.: PNAS, doi: 10.1073/pnas.0811730106

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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