Heilender Trunk: Ägypter versetzten Wein mit Kräutern

Im alten Ägypten war Wein Medizin: Er wurde mit Kräutern wie Melisse, Koriander, Minze oder Salbei versetzt ? wohl, um bei Krankheiten Linderung zu verschaffen. Das erklären amerikanische Wissenschaftler, die in mehr als 5.000 Jahre alten Gefäßen Spuren dieser Kräuter entdeckt haben. Die ältesten bekannten schriftlichen Dokumente dieser auf Wein basierten Medizin gehen auf die Zeit um 1850 Jahre vor unserer Zeitrechnung zurück.
Die Wissenschaftler untersuchten für ihre Analysen Reste von Tongefäßen aus dem Grab des ägyptischen Pharaos Skorpion I. Diese Grabstätte war in der historischen, etwa 160 Kilometer nördlich von Luxor gelegenen Stadt Abydos entdeckt worden und stammt etwa aus dem Jahr 3150 vor Christus. Skorpion I gilt als einer der ersten Könige des später so mächtigen ägyptischen Reichs und gehörte der sogenannten 0. Dynastie an. Die Forscher untersuchten die Tonkrüge nun unter anderem mit Hilfe eines Massenspektrometers und entdeckten dabei Hinweise auf chemische Verbindungen, die nur als Inhaltsstoffe in bestimmten Pflanzen vorkommen. In die Analyse floss außerdem ein, welche Pflanzen zu der damaligen Zeit in Ägypten heimisch gewesen sein dürfen.

Die Kräuter wurden wohl zerrieben oder als Sud gekocht und dann dem Wein beigemengt, vermuten die Wissenschaftler. Sie könnten zudem jedoch auch anderen Lebensmitteln wie Honig, Bier, Milch oder Pflanzenöl zugesetzt worden sein. Schriftliche Aufzeichnungen über die medizinische Praxis aus dieser Zeit gibt es allerdings keine. In einem wesentlich jüngeren Dokument aus dem Jahr 1850 vor Christus ist von der heilenden Wirkung von Pflanzenprodukten wie Knoblauch, Zwiebeln, Melonen oder Avocados die Rede, ebenso wie von zahlreichen Kräutern wie Koriander oder Dill. Die neuen Ergebnisse zeigten, dass diese bis heute verwendeten traditionellen Heilmittel ihre Wurzeln in den Anfängen der ägyptischen Geschichte haben, erklären die Wissenschaftler.
Patrick McGovern (University of Pennsylvania, Philadelphia) et al.: "PNAS" (Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.0811578106).

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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