Neues vom Computer von Antikythera

 Die vielen Räder des antiken Mechanismus von Antikythera ermöglichten die Berechnung verschiedener Daten. Foto: ©2005 National Archaeological Museum/Antikythera Mechanism Research Project
Die vielen Räder des antiken Mechanismus von Antikythera ermöglichten die Berechnung verschiedener Daten. Foto: ©2005 National Archaeological Museum/Antikythera Mechanism Research Project
Ein internationales Forscherteam hat die Funktionsweise des sogenannten Computers von Antikythera weiter entschlüsselt. Den neuen Ergebnissen zufolge besaß dieser mit Zahnrädern versehene Mechanismus aus dem antiken Griechenland eine Anzeige, die dem Zeitraum der olympischen Spiele folgte. In einer anderen Anzeige identifizierten Forschungsleiter Tony Freeth vom Antikythera Mechanism Research Project in Cardiff und seine Kollegen einen sogenannten metonischen Kalenderzyklus. Dieser komplizierte Kalender basiert auf einer Abfolge von 235 Monaten. Auch den Ursprung des Geräts können die Forscher nun näher eingrenzen: Der Mechanismus stammt wohl aus dem nordwestlichen Griechenland oder aus Sizilien, statt wie bislang angenommen aus Rhodos.
Der Mechanismus von Antikythera, wie das Gerät auch genannt wird, besteht aus mehr als 30 Zahnrädern. In diese Zahnräder aus Bronze haben die Erbauer des Geräts eine Art Gebrauchsanweisung eingeritzt. Mit Hilfe eines eigens dafür aufgebauten Computertomographen konnten die Forscher mittlerweile viele dieser Inschriften entziffern. Daraus ging hervor, dass der Mechanismus für eine Vielzahl von Zwecken eingesetzt werden konnte.

So diente das Gerät unter anderem zur Vorhersage von Sonnen- und Mondfinsternissen, berichtet Freeth. Allerdings seien die Voraussagen der Maschine in dieser Hinsicht wohl nicht immer akkurat gewesen, glaubt der Wissenschaftler nach der Analyse der Inschriften. Wesentlich genauer war dagegen die Anzeige der Olympiaden ? mit diesem Ausdruck wurden im antiken Griechenland die Zeitabschnitte zwischen den eigentlichen Sportwettkämpfen bezeichnet. Freeth und sein Team fanden auf der Maschine Hinweise auf mindestens fünf unterschiedliche Wettkämpfe, deren Abfolge das Gerät anzeigen konnte.

Die Wissenschaftler konnten zudem erstmals die Namen der Monate entziffern, die dem metonischen Kalender auf der Maschine zugeordnet waren. Aus der linguistischen Analyse der Monatsnamen leiten die Forscher auch die Herkunft des Geräts ab: Höchstwahrscheinlich stammt es aus einer Kolonie, die von Korinthern gegründet wurde. Dazu gehört auch die Stadt Syrakus auf Sizilien, wo unter anderem der berühmte Mathematiker Archimedes lebte. Freeth glaubt daher, dass der Mechanismus von Antikythera in der mechanischen Tradition von Archimedes stehen könnte. Allerdings starb der berühmte Wissenschaftler bereits im Jahr 212 vor Christus, während das Gerät erst rund 100 Jahre später entstand.
Tony Freeth (Antikythera Mechanism Research Project, Cardiff) et al.: Nature, Bd. 453, S. 614

ddp/wissenschaft.de ? Markus Zens


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