Neuseeland wurde erst im 13. Jahrhundert besiedelt

Neuseeland ist rund 1.000 Jahre später besiedelt worden als bislang angenommen. Das schließt die Wissenschaftlerin Janet Wilmshurst von der neuseeländischen Forschungsorganisation Landcare Research in Lincoln aus der Analyse von archäologischen Rattenspuren auf der Pazifikinsel. Knochen und andere Überreste deuten darauf hin, dass die Pazifische Ratte erstmals um 1280 nach Christus auf Neuseeland auftauchte ? zusammen mit den ersten menschlichen Siedlern, vermuten die Wissenschaftler um Wilmshurst. Demnach verbreiteten sich Menschen und Ratten innerhalb kürzester Zeit auf der gesamten Insel und veränderten das neuseeländische Ökosystem nachhaltig.
Der Verlauf der Besiedlung Neuseelands war unter Forschern bislang umstritten, schreiben Wilmshurst und ihre Kollegen. Während eine Gruppe von Wissenschaftlern davon ausging, dass die ersten Siedler bereits vor rund 2.000 Jahren auf der Pazifikinsel landeten, vermuteten andere Forscher die Erstbesiedlung Neuseelands rund 1.200 Jahre später. Zur Untermauerung ihrer Argumente zogen beide Gruppen die Knochen der Pazifischen Ratte heran, weil die Ratten nur auf den Schiffen von menschlichen Siedlern den Ozean überqueren konnten.

In den 1990er Jahren hatten Radiokarbondatierungen von Rattenknochen, die von der neuseeländischen Südinsel stammten, auf eine Besiedlungszeit um 200 vor Christus hingedeutet. Wilmshurst und ihre Kollegen untersuchten diese Knochen nun erneut und konnten die Ergebnisse nicht bestätigen. Die Forscher gehen daher von Fehlern bei der ursprünglichen Datierung aus.

Für ihre neue Untersuchung zogen die Wissenschaftler nicht nur Rattenknochen heran, sondern suchten auch nach anderen Spuren der Nagetiere. Dabei stießen sie in archäologischen Fundstätten auf Samenkapseln, die von Ratten angenagt wurden und daher typische Bissspuren aufwiesen, schreiben die Forscher. Anhand dieser Samen und einer Neudatierung von Knochenfunden ermittelten Wilmshurst und ihre Kollegen eine wesentlich jüngere Erstbesiedlung.

Für die Erforschung des neuseeländischen Ökosystems ist diese Entdeckung von großer Bedeutung, erklärt Wilmshurst. So sei es zwar allgemein anerkannt, dass Ratten zum Aussterben von mehreren Tier- und Pflanzenarten beigetragen hätten. Wenn die Nagetiere allerdings bereits während einer so kurzen Besiedlungsspanne diese großen Veränderungen verursachen konnten, dann müssten die Naturschutzbemühungen intensiviert werden, um das Aussterben weiterer Tier- und Pflanzenarten zu verhindern.
Janet Wilms (Landcare Research, Lincoln) et al.: PNAS, Bd. 105, S. 7676

ddp/wissenschaft.de ? Markus Zens


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