Was die Zähne verraten

 Eine Untersuchung des Zahnschmelzes kann Aufschluss über Ernährungsgewohnheiten geben.
Eine Untersuchung des Zahnschmelzes kann Aufschluss über Ernährungsgewohnheiten geben.
Aus dem Aufbau des Zahnschmelzes lassen sich Rückschlüsse darauf ziehen, ob und wie lange ein Mensch gestillt wurde. Das haben britische Forscher um Louise Humphrey vom University College in London gezeigt, die ein neues Verfahren zur Analyse von Zähnen entwickelt haben. Die Technik könnte nicht nur bei der Erforschung ernährungsbedingter Krankheiten hilfreich sein, sondern auch Archäologen und Anthropologen die Erforschung der Ernährungsgewohnheiten des Menschen in historischer oder prähistorischer Zeit ermöglichen.
Bei ihrem Verfahren bestimmen die Forscher mit einem Massenspektrometer das Verhältnis der beiden Elemente Strontium und Kalzium im Zahnschmelz. Der Zahn wird dazu in feine Scheiben gesägt, die dann unter dem Mikroskop untersucht werden können. Ähnlich wie bei den Jahresringen eine Baumes lässt sich anhand des Musters die Zeit bestimmen, zu der sich jede Lage des Zahnschmelzes aufgebaut hat. Aus den verschiedenen Schichten werden dann Proben entnommen, deren Strontiumgehalt mit dem Massenspektrometer bestimmt wird.

Welch präzise Informationen über die Ernährung im Kleinkindalter sich aus dieser Analyse gewinnen lassen, wiesen die Forscher anhand von Milchzähnen von sieben Kindern nach, deren Ernährung in den ersten Lebensmonaten genau dokumentiert war. Die Wissenschaftler konnten aus ihren Daten herauslesen, wie lange die Kinder gestillt wurden, wann andere Nahrung hinzugekommen war oder ob künstliche Milch eingesetzt wurde.

Das von den britischen Forschern entwickelte Verfahren könnte Wissenschaftlern bei der Erforschung von Krankheiten helfen, bei denen die Ernährung im Kindesalter einen Einfluss hat. Da es auch bei fossilen Zähnen anwendbar ist, könnte damit auch untersucht werden, wie lange beispielsweise historische Jäger-und-Sammler-Völker ihre Kinder stillten oder wie die Ernährung von Kindern aussah, als der Mensch begann, Landwirtschaft zu betreiben.
Louise Humphrey (University College, London) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI 10.1073/pnas.08711513105

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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