Der Anfang vom Ende der Jäger und Sammler

 Erst als die frühen Landwirte vor 8.000 Jahren aus den Küstenregionen vertrieben wurden, breitete sich die Landwirtschaft in Europa aus. Bild: Jon Sullivan, PDphoto.org / wikipedia.org
Erst als die frühen Landwirte vor 8.000 Jahren aus den Küstenregionen vertrieben wurden, breitete sich die Landwirtschaft in Europa aus. Bild: Jon Sullivan, PDphoto.org / wikipedia.org
Ein drastischer Meeresspiegelanstieg hat vor 8.000 Jahren viele tausend Menschen aus den Küstenregionen von Mittelmeer und Schwarzem Meer vertrieben und so der Verbreitung der Landwirtschaft in Europa einen Schub gegeben. Das berichten Chris Turney von der Universität in Exeter und Heidi Brown von der Universität in Wollongong, die den Verlauf der Küstenlinien von Mittel- und Schwarzem Meer vor und nach dem Meeresspiegelanstieg rekonstruiert hatten. Durch das Versinken von über 70.000 Quadratkilometer Festland mussten viele tausend Menschen, unter ihnen auch frühe Bauern, eine neue Heimat suchen und verbreiteten dabei das Bauerntum in Europa.
Das Schmelzen von Eismassen, die vor über 8.000 Jahren einen Teil der Nordhalbkugel bedeckten, ließ den globalen Meeresspiegel innerhalb von nur 34 Jahren um bis zu 1,4 Meter steigen, ergaben die Berechnungen der Forscher. Vor dem Anstieg war das damals mehr als hundert Meter unter dem Niveau der Ozeane liegende Schwarze Meer ein Süßwassersee. Mit dem erhöhten Meerwasserspiegel brach am Bosporus der trennende Damm und das Schwarze Meer wurde in einer riesigen Flutwelle mit Meerwasser gefüllt. Dieses Ereignis sehen viele Forscher heute als die in der Bibel geschilderte Sintflut an.

Nahezu zeitgleich gab es eine plötzliche Ausbreitung der Landwirtschaft und des Töpferhandwerks in Europa, belegen archäologische Funde, die damit den Übergang von dem Zeitalter der mesolithischen Jäger-Sammler-Kulturen zum Neolithikum mit sesshaften Bauern markieren. Bislang war jedoch die Verbindung zwischen dem Anstieg des Meeresspiegels und diesen Veränderungen unklar.

Anhand der Rekonstruktionen der Küstenlinien schätzen die Wissenschaftler, dass innerhalb von 34 Jahren fast 73.000 Quadratkilometer Land ans Meer verlorengegangen waren und etwa 145.000 Menschen umsiedeln mussten. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass in diesen Regionen bereits vor der Flut frühe Formen der Landwirtschaft und der Töpferei existierten. Durch den katastrophalen Meeresspiegelanstieg zogen diese Menschen nach Westen und brachten ihre landwirtschaftliche Kultur und ihr Wissen in eine Region, die bis dahin von Jägern und Sammlern besiedelt war, so die Forscher.
Chris Turney (Universität in Exeter), Heidi Brown (Universität in Wollongong): Quaternary Science Reviews, Band 26, Seite 2036

ddp/wissenschaft.de ? Gesa Graser


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